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Gesteine - Findlinge - in Schleswig-Holstein

 
Der Düwelstein bei Großkönigsförde 

    duewelstein

Der größte Findling in Schleswig-Holstein liegt an der Straße zwischen Ruckforde und Großkönigsförde bei Gettorf noch in ursprünglicher Stellung am Fundort. Ein Großteil von seinen rund 200 Tonnen Gesteinsmasse steckt im Boden, aus dem er so aber prächtig und steil aufragt, dass er von Kieler Kletterern als Trainingsobjekt genutzt wird. Vor allem die senkrechte „Nordwand“ erfordert offensichtlich eine gewisse Erfahrung und Übung…
nordwand
   Durch Absprengung konkav geformte Flächen
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   Die vom Gletschereis geglättete „Außen“-Seite
 
Obwohl nicht zu sehen ist, wie der Findling sich im Boden fortsetzt, kann man doch erkennen, dass hier von einem ursprünglich noch weitaus größeren Block große Partien abgebrochen sind. Die dadurch entstandenen, nach innen gewölbten Bruchflächen sind nicht durch Gletscherbewegung geglättet. Möglicherweise erfolgten die Abbrüche erst durch Frostsprengung im Spät- oder Postglazial - oder durch jüngere Versuche zur Steinverwertung. In dem Fall wurden die abgesprengten Teile selbstverständlich als Material für Gebrauchssteine abtransportiert. Die konkav geformte Ostseite ist die jüngste Bruchfläche, mit relativ frischen Kanten. Auf ihrer etwas witterungsgeschützten Fläche kann man das Gefüge des Geschiebes am besten erkennen.
 
           
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Soweit am Gestein erkennbar ist, könnte seine Herkunft in Südschweden liegen. Das Gefüge gleicht sehr grobkörnigen, leicht alterierten, hellen Småland-Graniten, mit rosé-farbenen Kalifeldspäten, weißgrünem Plagioklas, grauem Quarz und viel verstreutem Biotit. Der Poppo-Stein bei Sieverstedt ist von sehr ähnlicher Beschaffenheit.

Wie zu allen bemerkenswerten Findlingen südlich in der Ostsee existiert auch zum Düwelstein eine Geschichte, die seine rätselhafte Herkunft erklärt.

„Einer alten Sage nach soll der Teufel persönlich einst den Stein geworfen haben, um die Gettorfer Kirche zum Einsturz zu bringen, da er mit dem Bau dieser nicht einverstanden war. Der Findling verfehlte knapp sein Ziel, jedoch wurde der Gettorfer Kirchturm durch den Luftzug, den der Stein im Flug erzeugte, schief und das ist er bis heute noch“.
(Quelle: www.amt-daenischer-wohld.de)

 
 
Der Wandhoff-Findling bei Malente
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Er ist der unbestrittene König im Findlingsgarten von Kreuzfeld bei Malente.
Das massige Großgeschiebe wurde 1983 in der benachbarten Kiesgrube freigelegt und sieben Jahre später als Mittelpunkt des neuen Findlingsgartens auf sein jetziges Podest gehoben, in der originalen Ausrichtung.
Mit rund 125 Tonnen Gewicht ist er der zweitgrößte bekannte Findling in Schleswig-Holstein.
 
     Abb. 1 Der Findlingsgarten an einem frühen  Novembermorgen  
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   Abb. 2   Abb. 3     Abb. 4      
Dieses 126 Tonnen schwere Riesengeröll legt in sehr beeindruckender Weise Zeugnis ab von der abschleifenden, glättenden Kraft eines vorwärts schiebenden Gletschers. Man hört das Eis buchstäblich knirschen angesichts des gerundeten Kolosses. Das Eis schob sich an ihm entlang und über ihn hinweg… möglicherweise wurde er dabei auch rollend gewendet… - Gletscherschliff und manche Schramme an nahezu allen Seiten, aber die Bewegungsrichtung blieb überwiegend dieselbe, gut an Abb. 2 und 3 zu sehen.
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   Abb. 5    Abb. 6    Abb. 7     Abb. 8  
Irgendwann wurde der auflastende oder allseitige Druck zu groß: Risse entstanden quer durch das Großgeschiebe und ließen wesentliche Partien weg brechen (Abb. 4 und 5). Es blieb so etwas wie ein halbes Ellipsoid übrig (Abb. 6). 
         
Zeitweise war der riesige Stein aus den Eismassen befreit und lag offen, den sandigen Winden ausgesetzt. Der Windschliff kam zum Gletscherschliff hinzu und formte aus der oval gerundeten „Spitze“ eine gekantete Spitze. Der Findling wurde zum „Windkanter“ (Abb. 7 und 8). 
        
Wo kam er aber überhaupt her?
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    Ein violett-graues, grobkörniges Gefüge      Ein mafischer (hornblendereicher) Einschluss   
Violettgraue Kalifeldspäte, weißlich grauer Plagioklas, grauer Quarz und reichlich eingestreuter schwarzer Glimmer (Biotit) in eng verzahntem, etwas wirrem Gefüge, ebenso die eingeschlossenen Xenolithe (Fremdgesteinsteile) aus Hornblende - das deutet auf das mittlere bis nördliche Småland hin.
Den Berg, der hier einiges von seiner Substanz abgeben musste, kennen wir nicht genauer. Jedoch muss dieser heute abgerundete gewaltige Findling vor seiner Reise noch um ein mehrfaches größer gewesen sein. Im südschwedischen Småland sind wie andernorts in Skandinavien die Bergkuppen zu geglätteten Plateaus abgeschliffen, große Gesteinspartien und Felsteile wurden stellenweise von den Gletschern zuvor aus dem Verband gerissen und mitgeschleift.

Gut 600 km weit „schwamm“ dieser viele Tonnen schwere Felsbrocken, festgefroren im Gletschereis, von Schweden bis nach Ostholstein.

   
   
 - Der Findling von Welmbüttel 
Die Infotafel neben dem Stein verrät, dass dieses massige Großgeschiebe bereits seit langem den Ortseingang schmückt. Zwischenzeitlich wurde der Findling in den Status eines Gebrauchssteins erhoben, indem er (in prächtig geschwungener Schrift) den Ortsnamen trägt. Dieser Schriftzug ist auf den Fotos nicht zu sehen.
    Bei dem Findling handelt es sich um einen hellen, grob- und gleichkörnigen Granit mit einer Farbigkeit zwischen roséfarben (Kalifeldspat), weiß (Plagioklas), hellgrau (Quarz) und dunklen Sprenkeln (Biotit und Hornblende).
Seine Herkunft könnte in Småland (Südschweden) liegen.
   
 
  -  Der Findling von Steinfeld 
Steinfeld (nördlich Ulsnis, Angeln) verfügt mit diesem Großgeschiebe an der Hauptstraße über einen imposanten Blickfang.
    Noch scheint er namenlos und es gibt auch keine Infotafel, die etwas über Umfang und Gewicht des Findlings verraten würde  -  dem Augenschein nach könnten es gut 25 Tonnen sein (wer kann Auskunft geben? Auch über die Fundsituation?).
Das Gefüge zeigt einen schönen porphyrischen Granit mit großen hellrötlichen Kalifeldspäten, möglicherweise ein Järna-Granit aus dem mittleren Schweden  -  Dalarna.
   
   
 - ein Großgeschiebe auf der Insel Sylt 
Auf dem Parkplatz des kliffnahen Restaurants Sturmhaube in Kampen bekam dieser Findling einen gut wahrnehmbaren Platz. Das läßt ihn häufig zum Treff- und Ausgangspunkt anberaumter naturkundlicher Führungen werden...  
Aus den Infos der Gemeinde Kampen [http://www.kampen.de/Natur-Tradition/Sehenswertes] geht hervor, dass der Block ca. 20 t schwer ist und eine Höhe von fast 3,5 m hat. Er wurde 2005 am Strand neben einer Buhne gefunden.
Näheres Hinschauen weist einen Gneisgranit aus (d. i. ein grobkörniger Granit, dessen magmatisches Gefüge durch eine begonnene Metamorphose "deformiert" wurde). Interessant eine Reihe von Meißellöchern im oberen Teil, die belegen, dass ein Versuch, ihn zu spalten, abgebrochen wurde.
 
 
 -  der Hauptstein des "Gulde Thing"
Etwas südlich des kleinen Ortes Gulde (NW Kappeln) wurde aus privater Initiative der Nachbau einer altgermanischen Thingstätte durchgeführt (2003 eingeweiht). Die historische Authentizität der Anlage wird kontrovers diskutiert, gleichwohl sind die Steinsetzungen sehenswert.
Weitere Informationen unter: http://www.thingplatz-gulde.de/
 



Blickfang und Hauptstein ist ein knapp 20 t schwerer Findling.
Es handelt sich um einen schön gemaserten Bändergneis.



Nachfolgend Bilder einiger weiterer Steine...
 
 
 - ein Eiskanter am Waldmuseum in Burg 
Das Naturerlebniszentrum in Burg bietet viele Begegnungsmöglichkeiten, Infos und Aktivitäten zum Thema Waldlandschaft, Waldökologe und Waldpflege.
Es kommt aber auch die Geologie zu Wort (Thema Landschaftsentstehung und Eiszeit), sowohl im Waldmuseum selbst als auch im Außengelände. 
Auf der Infotafel zum Thema "Weichsel-Kaltzeit" bei der Geschiebe-Sammlung in der Außenanlage des Museums ist zu lesen:
"Granitgneis von Fehmarn  -  Dieser 5,4 t schwere Findling wurde durch die weichselzeitlichen Gletscher nach Fehmarn verfrachtet. Als Herkunftsort kann Südschweden angegeben werden. Von Puttgarden wurde er 1972 zum Gebäude des Geologischen Landesamtes in Kiel-Wik transportiert. 1999 wurde der Findling von dort aus auf einem Tieflader des THW (Burg/Dithm.) nach Burg gebracht. Neben seiner Größe stellt bei diesem Findling die Kritzung der Gesteinsoberfläche eine Besonderheit dar. Durch die im Eis mitgeführten Erosionswaffen (Steine usw.) wurden dem Findling Gletscherschrammen ("Kritzen") eingefräst, die noch heute erhalten sind. Seine auffallend keilförmige Gestalt erhielt er durch Gletscherschliff. Während des Transports wurden die Seitenflächen des Findlings am Grunde des Gletschers vom liegenden Gestein abgerieben."
   
   
 - die "Seekiste" von Katharinenhof 
Dicht vor dem Strand von Katharinenhof im Osten der Insel Fehmarn liegt dieser ca. 22 t schwere Findling  -  ein länglicher, waagerecht ausgerichteter Geschiebeblock, der tatsächlich etwas kistenartiges hat. Man kann ihn nicht immer einigermaßen trocken erreichen  -  und wenn, gibt der fast lückenlose Flechtenbewuchs wenig vom Gesteinsgefüge preis. Zu ahnen ist ein sehr grobkörniger, rötlicher Granit, der von roten Feldspatadern durchzogen wird.
   
   
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