Gebrauchssteine - Felsritzungen
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Petroglyphen
der Bronzezeit im
skandinavischen Raum |
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Was hat den Menschen der Vorzeit veranlasst, Steine und Felsen
mit eingravierten Formen zu versehen?
Man kann denken, dass der Mensch einem
zeitgebundenen, vergänglichen (inneren oder äußeren) Vorgang
des menschlichen Lebens mit einem solchen Bildzeichen Dauer, Unvergänglichkeit verleihen
wollte, oder anders gesagt: mit diesem Vorgang in der Tat das Erlebnis
verband, den Schritt in die Unvergänglichkeit zu vollziehen,
zeichenhaft im Stein. Die eingeritzten Zeichen wurden so zur "Botschaft" an bzw. in die
Unvergänglichkeit
- wie auch immer diese transzendent wesenhaft, spirituell
erfahren wurde.
Es wird davon ausgegangen, dass die Herstellung und Nutzung der
Petroglyphen im Vollzug von Jenseits- und Fruchtbarkeitskulten,
von Sonnenverehrung und anderen religiös-schamanistischen Ritualen
erfolgte. Zumindest in der Frühzeit wurden sie ganz offensichtlich
in dieser Weise als ein Kommunikationsmittel zur
übernatürlichen Kräftewelt erfahren, waren gleichsam ein
bleibender Beleg, die Manifestation einer kommunikativen
Gemeinsamkeit, eines
In-Verbindung-Seins mit einer erlebten Geistwelt.
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Tisselskog (Dalsland) |

Madsebakke (Bornholm) |
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In Fels geritzte Bildzeichen sind weltweit
in großer Zahl erhalten,
von der Altsteinzeit bis in die frühe Eisenzeit. Wir sehen, dass
ihre
Formensprache sich entwickelte - von stilisiert-abstrakten Zeichen
und Symbolen über einfache figürliche Abbildungen
(altersmäßig
und regional in variierender Form, entsprechend der
Lebensweise und Lebensumgebung) bis zu detaillierten,
figurenreichen und komplexen Darstellungen, die Szenen aus dem
gelebten Leben abzubilden scheinen. Oft sind es kriegerische Szenen.
Diese grundsätzliche Entwicklung zeigt weltweite Übereinstimmungen.
Denn diese bildliche Fortentwicklung spiegelt die Entwicklung des
menschlichen Bewusstseins, von einem älteren mythischen, sich in
abstrakten Bildsymbolen äußernden, jenseitsbezogenen zu einem
zunehmend diesseits- und alltagsbezogenen Denken und Erleben.
Da wir heute ganz in diesem auf die Sinneserfahrung-bezogenen
Denken angekommen sind, fehlt uns weitgehend das Verständnis für
die vorgeschichtliche, mythisch transzendental-orientierte
Bildersprache.
Die neuzeitlichen Interpretationsversuche kamen und kommen aus
einem jeweils wesentlich jüngeren Zeitgeist, sind zeitgebunden geprägt und wandeln
sich.
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Beispielhaft werden nachfolgend einige wenige der
vielen
bronzezeitlichen Fundorte
aus dem skandinavischen Raum mit ihren wichtigsten
Bildmotiven angeführt.
Die vom Eis blank geschliffenen Felsflächen der
skandinavischen Landschaft boten sich für bildliche
Darstellungen an, insbesondere in den Küstenregionen, wo die
spürbare Landhebung der Bronzezeit (25 - 30 m ausmachend!) glatte,
vegetationsfreie Schären und Uferfelsen aus dem Meer hatte
auftauchen lassen und so zugänglich machte. Ohnehin waren es die
südlichen und küstennahen Regionen, die in diesem Zeitraum hauptsächlich besiedelt
wurden.
Die Ritzungen wurden mit harten spitzen Steinwerkzeugen
(beispielsweise Quarzit) in den Felsgrund geritzt, die Konturen
anschließend oftmals wohl noch galttgeschliffen.
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| An ausgewählten Fundorten wurden die
zugänglich präsentierten und auch mit Infotafeln versehenen
Darstellungen um der Erkennbarkeit willen farbig behandelt.
Abseits der präparierten
Präsentation gibt es allerdings auch eine Vielzahl von
unbehandelten Ritzungen. Es wird bezweifelt, dass die Ritzungen
ursprünglich farbig behandelt gewesen waren. |
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| Glatt geschliffene
Felsflächen mit Felsritzungen: |

Madsebakke, Bornholm |

Tisselkog, Dalsland |

Horsahallen, Blekinge |
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Grundsätzliche
Bildmotive und Bildmerkmale:
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- Menschen
werden oft mit erhobenen Armen dargestellt - entsprechend der
urgeschichtlich
und antik verbreiteten Adorantenhaltung, d. h. betend, verehrend.
- Männliche Figuren werden unbekleidet mit Betonung des
Geschlechtsteils dargestellt - im
Hinblick auf das Rätsel und die hohe Bedeutung der leiblichen
Fruchtbarkeit.
- Frauen werden durch einen Zopf oder ein fußlanges Gewand mit
Kapuze gekennzeichnet,
d. h. ihr Handlungsspielraum ist weniger offensichtlich nach außen
gerichtet, ist a. "verhüllt",
b. weist im langen Haar auf innere Kraft und Nähe zu "Mutter Erde"
hin (indigene Tradition).
- Tiere werden dargestellt zunächst im
symbolisch-mythologischen Kontext: Schlange (Tod),
Vögel (mit Bezug zu Sonnenbarken = Botenvögel zwischen Kosmos und
Erde), Pferde (als
Sonnenpferd den Sonnenwagen ziehend) oder von Menschen geführt, später auch geritten.
Hirsche (Geweihträger) als "Hüter der Natur" oder im Kontext von
Jagdmagie. Später mehren
sich Hinweise, dass die Herden und andere dem Menschen nahestehende
Tiere gemeint sind.
- Boote/Schiffe werden leer oder mit Menschen (zunächst
in Form von Strichen, später mit
Gliedmaßen, auch agierend) abgebildet. Das Schiff stand für ein
mythisches Gefährt, das die
Seele in die Jenseitswelt befördert oder das die Reise der Sonne
über den Himmel
symbolisiert. Später wurde auch die für die Menschen sehr wichtige
Schifffahrt Motiv der
Abbildung.
- Kreissymbole treten als schlichtes Rund oder mit
innerem Kreuz (Sonnenkreuz, Radkreuz)
auf, zuweilen auch radial mit Menschen und Tieren oder Schalen
umgeben. Sie werden als
Symbole mit Bezug zur Sonne und zum Kosmos interpretiert.
Kämpfer mit Äxten werden häufig abgebildet. Die
Axt symbolisiert Blitz und Donner, wobei
sie als magische Waffe zur Abwehr von bösen Geistern oder als
Werkzeug göttlicher Macht
gilt. Später sind viele Axtträger Teil größerer Szenen, die
Schiffsprozessionen oder Rituale
zeigen. |
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Auch in Skandinavien zeigen
sich
innerhalb der rund 1300
Jahre währenden Bronzezeit deutliche Weiterentwicklungen, die
Motivwahl und Ausführung betreffend.
In der frühen Bronzezeit dominieren einfache
Bildzeichen: Schälchen
(kleine runde Vertiefungen), Fußabdrücke, sehr einfache Schiffsdarstellungen
und radkreuzartige Sonnensymbole. |
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| Schalen (Tisselskog) |
Fußspuren (Tisselskog) |
Schiff (Vitlycke) |
Radkreuz (Madsebakke) |
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In der mittleren
Bronzezeit nimmt die Anzahl der Schiffsdarstellungen
deutlich zu. Das Schiff wird detaillierter dargestellt (mit
Tierköpfen, Sonnensymbolen oder Schildern am Bug/Heck), häufig mit
Mitreisenden. Hinzu kommen
Menschendarstellungen, oft Waffen schwingende Kämpfer, sowie Tiere,
gehörnte Rinder, aber vor allem
Pferde. Immer noch treten zudem nicht-gegenständliche
Bildzeichen auf, Schlangenlinien, Kreise, sternförmige Symbole.
4 Beispiele von Aspebjerget, Tanumshede (Bohuslän): |
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Schiffe |
Tiere
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Mensch |
Bildzeichen |
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| In der späten
Bronzezeit (Übergang zu Eisenzeit) werden die
Darstellungen erzählerischer und komplexer, oft als Szenen, die
religiösen Bezug haben, rituelle Vorgänge verbildlichen. Beeindruckend ausdrucksstark und komplex
sind die großen figurenreichen Felsbilder von Vitlycke, Tanumshede
(Bohuslän). |
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In der späten Phase gegen Ende (um 500 v. Chr.) zeigen Darstellungen
von Reitern mit Speeren und Schilden keltischen Typs den
Übergang zur frühen Eisenzeit.
Siehe das Reiterfelsbild von
Tegneby |
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Weitere Infos und Bilder
zu:
Tanumshede (Bohuslän)
Tisselskog (Dalsland)
folgt demnächst
Madsebakken (Bornholm)
dito
Horsahallen (Blekinge)
dito |
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