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Gebrauchssteine - Kunst und Kunsthandwerk

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"Jeder Steinblock hat eine Statue in sich und es ist die Aufgabe des Bildhauers, sie zu finden." (Michelangelo)                                                                                           
 
 
Trotz seiner Härte  -  oder vielleicht gerade ihretwegen  -  wurde bereits früh in der Geschichte der Menschheit Stein als Werkstoff für die Bildhauerei genutzt.
Die altägyptische Kultur schuf Felsreliefs und monumentale Statuen aus Hartgestein (Granit, Diorit, Porphyr...) - in Handarbeit und mittels Steinhämmern (aus Dolerit) und Schmirgelmassen (aus Quarzsand).
In griechisch-römischer Zeit wurde der weichere Marmor bevorzugt. Die Gestalten wurden fein und lebensvoll aus dem Block herausgearbeitet und schließlich durch Schleif- und Polierarbeiten diffizil geglättet.
Das Mittelalter bevorzugte Kalkstein und Sandstein. Die Skulpturen standen meist im Kontext eines Kirchenbauwerks in Mauernischen oder vor Wänden, selten gab es gänzlich freistehende
Bildwerke. Erst ab der Renaissance wurde wieder Wert auf frei stehende Gestalten gelegt.
 
Heute besteht nicht nur absolute schöpferische Freiheit hinsichtlich Motiv und Intention eines Werkes, sondern auch eine weitgehende handwerkliche Unabhängigkeit durch den Einsatz von  Maschinen - Sägen, Fräsmaschinen, Bohrer, Winkelschleifer und Poliermaschinen, u. U. sogar in computergesteuerten Arbeitsschritten. Aber natürlich immer noch  -  wenn auch meist nachgeordnet  -  gibt es die manuelle bildhauerische Arbeit.
 
Im Rahmen dieser Freiheit hat der Stein als Werkstoff heute eine gänzlich neue Attraktivität bekommen. Die Vielfalt der Gesteinstypen und ihrer Gefüge, ihrer sichtbaren Struktur, bietet eigene Gestaltungsanreize und -möglichkeiten. Ohne das Diktat einer naturalistischen Form in der Gestaltung können die Gesteinseigenschaften Teil der Gestaltung werden und auf diese Weise künstlerische Aussagekraft bekommen.
 
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Ein Beispiel für einen solchen Ansatz bieten einige der Werke von Erik Hartwich (Galleri Rusager, Aerø, Dänemark).
Er wählte hierfür größere Geschiebe mit metamorphen Gefügen, die bereits eine markante innere Bewegung, Durchäderung oder Materialmischungen aufwiesen. So entstanden in der partiellen Überarbeitung Werke, die dem Stein eine neue Bewegtheit verliehen. Aufnahmen 2007
 
 
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Steinbildhauer unterschiedlicher Stilrichtungen trafen während vieler Jahre im Rahmen einer kollektiven Kunstwerkstatt (KKV, sculpture network) im Skärholmen bei Hamburgsund, Bohuslän (Schweden), zu gemeinsamer Arbeit zusammen. Einige der geschaffenen Werke sind am Ort präsentiert.
 
  1 
  Ann Carlsson Korneev (Fjällbacka)
Fibonacci snäcka
Skulptur: Marmor, Sockel: Mylonit

Die "Fibonacci-Schnecke" stellt die Fibonacci-Spirale dar, die in ihrer Form auf der Zahlengesetzmäßigkeit des Goldenen Schnitts beruht.
Diese klare Gesetzmäßigkeit findet sich auch in der Natur, beispielsweise in der Anordnung der Samen einer Sonnenblume, in der Form von sich entfaltenden Farnen, in der Ananas oder in Nautilus-"Muscheln".
Die Fibonacci-Folge, 1, 1, 2, 3, 5, 8..., ist eine Zahlenreihe, bei der jede Zahl die Summe der beiden vorherigen ist (Auskunft KI).


https://kvirr.se/anncarlssonkorneev/
  Viktor Korneev (Russland/Schweden)
Blommorna
Skulptur: Larvikit, Sockel: Granit

V. Korneev wählt meist die Menschengestalt als Medium seiner künstlerischen Aussage (s.u.).
Hier - vielleicht zum 20jährigen Jubiläum dieses KKV-Symposiums ? - Blumen in menschlicher Hand.
Der grobkörnige, blaugrau schillernde Larvikit (aus Norwegen) verleiht der Form eine rau-lebendige Oberfläche.


"Die menschliche Natur ist wichtig für meine Arbeit und eine stetige Quelle der Inspiration. Jeder Mensch hat seine eigene Psychologie, Plastizität und Gestalt, die identifiziert und in ihrer eigenen symbolischen Form formuliert werden muss. Mich interessiert die Verschmelzung unterschiedlicher ästhetischer Systeme verschiedener Epochen, die zu unerwarteten Ergebnissen führen können."
  2     
  Märta Anderdott (Arvika) Narcissus, Skulptur: Dannemora-Marmor,
  Sockel: Diabas. Das Wort "Narcissus" ist vieldeutig  -  wie diese Skulptur... 
  3   
 
 George Badawi (Aleppo/Athen/Nyköping)  https://sculpture-network.org/en/artist/74907/george-badawi
links:                                                                                       rechts:
Vårtecken (Frühlingszeichen), Gneis
George Badawi schafft ausdrucksstarke freie Gestaltungen.
"Als Künstler und Bildhauer habe ich meinen Werdegang der Erforschung innovativer Strukturen und der Erweiterung der Grenzen des Designs in verschiedenen Medien gewidmet. Mein kreatives Vorgehen basiert auf der Transformation von Materialien wie Stein, Silber, Gold, Holz und Metall in Werke, die traditionelle Formvorstellungen in Frage stellen. Mich fasziniert, wie diese Materialien durch ihre einzigartigen Formen und Ausdrucksmöglichkeiten eine Fülle von Empfindungen und Inhalten vermitteln können. Mit meiner Kunst versuche ich, die Möglichkeiten des Designs neu zu definieren und neue Dimensionen zu schaffen, die den Betrachter einladen, sich auf unerwarteten Wegen mit Formen und Strukturen auseinanderzusetzen." (G. Badawi)
  4 
  Ann Carina Karlsson (Göteborg)
Marmor hjärta u. Svandals hjärta
ttps://www.lizcarinakarlsson.se/utstallningar/
Das Motiv "Herz" scheint ein Leitthema in
Ann Carina Karlssons bildhauerischer Arbeit zu sein. Bei nahezu identischen Gestaltungen kommen die Materialeigenschaften des Steins zum Tragen.
 
  5 

Yvonne Nimar (Västerås/Hjo) Gemeinsamkeit, Granit
https://konstguiden.com/konstnarer/yvonne-nimar/
 
 
   6   Anders Thorlin (Romakloster, Gotland) 
       
Bok i gotländisk kalksten 
Der gotländische Crinoiden-Kalkstein mit Bruchstücken von Seeliliengliedern entstand in silurischen Korallenriffen.
"Hallands Historia" Del II 
Migmatitisch strukturierter Gneis bestimmt in großen Teilen Hallands den Gebirgsgrund.
Das schlichte Buch-Motiv beansprucht keine eigentliche Form-Aussage  -  oder doch? Man kann beginnen nachzudenken über die Frage: Ist auch die Gesteinswelt eine Art Buch? Hat sie ein Cover und einen Inhalt, eine Präsentations- und eine mit viel Inhalt gefüllte Innenwelt? Ist sie mehr als das, was der schöne Deckel zeigt? Vielleicht im Sinne des Gedichtes von J. v. Eichendorff
"Schläft ein Lied in allen Dingen, die da träumen fort und fort, und die Welt hebt an zu singen, triffst du nur das Zauberwort."
Wie auch immer  -  dem Betrachter dieser Werke wird an erster Stelle das stark strukturierte, markante Material zum Erlebnis gebracht. 
  Auch die Skulptur
Solsäng med kuddar
(Sonnenliege mit Kissen)
lenkt ob ihrer klaren, kaum eigengestaltigen Form den Blick auf das Material (grauer gleichkörniger Bohus-Granit), das in eben dieser zurückhaltenden Gleichmäßigkeit die Klarheit und Ebenmäßigkeit der Form noch unterstreicht.
 
 
 
  7  
  Kasper de Vos (Antwerpen)
Shape shifter (Gestaltwandler)
Indisk granit

Die Mythologie kennt Gestalt-"wandelnde" Wesen in vielen Varianten, oft gestaltlose (Geist-)Wesen, die in der Lage sind, bestimmte, selbst gewählte Gestalten anzunehmen, bzw. sich als Gestalt zu offenbaren: Zeus in Gestalt eines Stieres, Odin in Gestalt eines Raben  -  oder der Versucher der hebräischen Genesis in Gestalt der Schlange.
Und sie kennt die aufgezwungene Gestaltwandlung durch eine Verzauberung - wie der Königsohn in der Gestalt eines Frosches.
 
An welche Art Gestaltwandlung K. d. Vos in dieser aufwachsenden Schlangengestalt denkt, bleibt als Frage an den Betrachter offen.
 
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Auch mancher Kunsthandwerker widmet sich dem Stein und kann seine Beschaffenheit oft in besonders schöner Weise zur Erscheinung bringen.
 
Schalen von Allan Bauer, Valby, DK.
"Stein hat mich schon immer fasziniert. 2014 begann ich mit Granit zu arbeiten, den ich heute hauptsächlich zu Schalen und Schüsseln forme.
Alle meine Arbeiten werden mit einem Winkelschleifer nach Maß ausgeführt, sodass keine zwei Schalen gleich sind. Der Prozess ist extrem laut, staubig und zeitaufwendig.
Ich liebe es, die Verwandlung des Granits von seiner rohen, unbearbeiteten Struktur zu der polierten Eleganz zu verfolgen, die meine Arbeiten auszeichnet.
Ich vrsuche, meine Schalen so dünn zu schleifen, dass sie so viel wiegen wie eine leichte Glas- oder Keramikschale. Einige der Schalen sind im Sonnenlicht sogar durchsichtig."

https://www.kunstforalle.dk/m/profile_copenhagen_m.php?id_artist=080720074422&language=da
 
 



Die Schalen veranlassen zum Staunen ob ihrer klaren, sorgfältig erarbeiteten Form  - 
und zeigen darüberhinaus in bester Weise das Gefüge der verschiedenen Gesteinsarten.

Die Wiedergabe hier erfolgt mit freundlicher Genehmigung von Allan Bauer.
 
 
 
   
   
  informative Links:
https://kunsteforening.cbs.dk/bauer-granit-kan-ses-i-montrerne-indtil-22-marts/
https://www.museerne.dk/holmegaard-vaerk/julemarked-designfestival/udstillere/bauer-granit
 
     
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