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Landschaft - Im Ostseeraum  -  Die Flensburger Förde

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Die Flensburger Förde  -  mehr als nur ein beliebtes Segelrevier...
  -  gesondert beschriebene Küstenabschnitte siehe unten
 
 
Die Flensburger Förde verfügt als weit ins Land reichender, buchtenreicher Meeresarm über eine besonders große Vielfalt an abwechslungsreichen und interessanten Naturlandschaften.
Das hügelige Relief der Moränenlandschaft, in das sie gebettet ist, wird im Küstenbereich angeschnitten und in Abbruchufern (Kliffs) aufgeschlossen. Große Abschnitte der Fördenküste, sowohl in der Innen- als auch in der Außenförde bestehen aus solchen stellenweise noch offenen (aktiven) Steilufern. Geröllstrände säumen ihren Fuß. Hier sammelt sich das aus den Kliffs heraus gelöste Gestein, während das feine Material (Kies, Sand und Erde) vom Wasser fortgespült und andernorts abgelagert wird. Daraus können im Strömungsschatten Sandbänke und Nehrungen (und nachfolgend u. U. Strandseen und Salzwiesen) entstehen oder sich Höftland mit Strandwällen bilden, in ruhigeren Buchten bauen sich die beliebten Sandstrände auf.

Wenngleich die hohen Ufer dominieren, können bei Küstenwanderungen entlang der Flensburger Förde immer neue Eindrücke von den abwechslungsreichen landschaftlichen Ausgestaltungen gewonnen werden.
Nachfolgend sollen einige der vielen besuchenswerten Abschnitte der Flensburger Förde vorgestellt werden.
 
 
Zuvor aber einige Anmerkungen zur Entstehung der Förde. Denn oft wird gefragt:

Was bedeutet der "Knick" im Verlauf der Förde? Wie kam er zustande?

Bei einem Blick auf die Landkarte wird zweifellos der deutliche Richtungswechsel auffallen, den die Förde auf halbem Weg im Umrunden der Halbinsel Holnis vollzieht. Da stellt sich natürlich die Frage: geht diese abgewinkelte und durch die langgestreckte Halbinsel untergliederte Förde-Gestalt auf eine einzige Entstehungssituation zurück oder liegt eine komplexe "Polygenese" vor? Treffen hier verschiedene Entstehungsprozesse aufeinander, um heute eine Gesamtform zu bilden?
 
  Viele Küstenlinien im südwestlichen Ostseeraum zeigen ähnliche Richtungsdominanzen:
 
1. Die Förden sind überwiegend WSW-ONO ausgerichtet.
2. Demgegenüber treten gehäuft "Küstentangenten"
in NW-SE Richtung auf.

Das Besondere an der Flensburger Förde ist,  dass sie diese beiden vorrangigen Richtungen vereint.
Gibt es Antworten auf die Frage, wodurch sie verursacht sind?
   
 
Die Landschaft des südwestlichen Ostseeraumes  -  mit ihrem mehr oder weniger kuppigen Relief  -  ist in ihrer Oberflächengestalt (und -substanz) entstanden aus dem, was die großen pleistozänen Vereisungen an Boden- und Gesteinsmaterial von Norden hergebracht und hinterlassen haben. Drei große Vereisungsperioden sind im norddeutschen Raum nachgewiesen (Elster-, Saale- und Weichsel-Kaltzeit), wobei jede eine Abfolge mehrerer Eisvorstöße mit zwischengeschalteten Erwärmungsphasen darstellt. Viel spricht dafür, dass das Eis der drei großen Kaltzeiten sich von etwas unterschiedlichen Kältezentren her aufbaute, insofern etwas unterschiedliche Wege nahm und auch in unserer Region die Hauptbewegungsrichtung wechselte. Kam im Beginn (Elster-Glazial) das Eis recht direkt aus nördlicher Richtung zu uns, später aus nordöstlicher, kann für das späte Weichsel-Eis belegt werden, dass es seinen Weg durch das Ostseebecken nahm und somit in den Flensburger Raum aus südöstlicher Richtung eindrang. So schufen späte (und nachhaltige) Bewegungen des Eises Geländeformen, die nicht nur im Bodenrelief sondern auch in den heute sichtbaren Küstenlinien zwischen Fehmarn und Als die Schubrichtung nachzeichnen.
Die Flensburger Außenförde und die ihr angegliederte Sonderborger Bucht mit Vemmingbund sind Eiszungenbecken aus der Spätphase des Weichsel-Glazials.
 
   












Skizze zur Ausbreitung des Weichsel-Eises in einer späten Phase.
Quelle: H. J. Stephan 1994 "Der Jungbaltische Gletschervorstoß in Norddeutschland". Schr. Naturwiss. Ver. Schlesw.-Holst. 64
 
       
Anders steht es mit der Flensburger Innenförde.
Man kann zuweilen auf den Terminus der "Uranlage" der Flensburger Innenförde stoßen. Was ist damit gemeint?
 
Was wissen wir vom tieferen Untergrund?
Unter der jungen glazialen Bedeckung sind in tieferen und älteren Gesteinsschichten feste Gesteine und in ihnen tektonische Strukturen vorhanden, die aus weit zurückliegenden erdgeschichtlichen Vorgängen stammen. Da gibt es beispielsweise alte Bruchstrukturen, aus denen (u. U. großräumig) Störungs- oder Verwerfungslinien resultieren, die sich wie ein sehr  fernes "Echo" bis in die heutige Oberflächengestalt auswirken können.

Zitat: "...In Norddeutschland sind endogene und exogene Faktoren der Landschaftsgenese sehr stark gekoppelt und verzahnt: Strukturen an der heutigen Topographie bilden häufig den strukturgeologischen Untergrund nach. Oberflächenlineare, Küstenlinien, Eisrandlagen und vor allem Flüsse orientieren sich maßgeblich an Störungen in der Tiefe..." (Grim 2012 S. 39)

Eine Reihe von Tiefbohrungen, v. a. im Mecklenburgischen Raum (bis fast 8000 m tief !) sowie viele geophysikalische Messungen brachten Erkenntnisse, die ein ganz anderes Bild entwerfen, als die uns vertraute, sanft hügelige  Landschaftsoberfläche erwarten lässt.

Eine kurze Zusammenfassung der sehr komplexen Vorgeschichte:
 - Der südwestliche Ostseeraum liegt im Grenzgebiet zwischen zwei Urkontinenten der Erdfrühzeit: Baltica (der skandinavische Schild) im Nordosten und Avalonia (Alteuropa) im Südwesten.
 - Ursprünglich waren sie getrennte Erdschollen, näherten sich aber im Zuge der Kontinentaldrift einander an und "kollidierten". Solche Kollisionen sind natürlich nicht vorzustellen wie ein Auto-Crash, sondern wie das, was heute noch passiert - beispielsweise im Bereich des Himalaya und der Anden. Es sind sehr langsame Überschiebungen und damit verbundene Gebirgsauffaltungen  -  aber natürlich ereignen sich damit verbunden auch tiefgehende Brüche und Verwerfungen in der Erdkruste. Der hier damals entstandene Gebirgszug ist längst wieder verschwunden  -  erodiert und in Teilen auch sehr tief in den Untergrund abgesunken. In einer Tiefbohrung im Flensburger Stadtgebiet wurden in 5000 m Tiefe (!) aberodierte Reste dieses Gebirges in Form von stark schräg gestellten Tonschiefern gefunden (Strehl 1998).
 - Von Westen her erfolgte ebenfalls eine Kontinent-Annäherung und -kollision, mit Laurentia (Uramerika).
 - Aus den Prozessen dieser "Kaledonischen Orogenese" (= Gebirgsbildung) sind Reste als Oberflächenformen vorhanden: in den norwegischen Kaledoniden (das Fjordgebirge), in Schottland, Irland, Ost- und Nordgrönland, in den Appalachen. Das sind heute weit entfernt voneinander liegende Regionen  -  weil seit geraumer Zeit Europa und Amerika sich wieder getrennt haben und nun beständig weiter auseinander driften. Aber in all den genannten Bergketten existieren in hohem Maß übereinstimmende Gesteine und Strukturen. Ergänzende Infos z. B. über: https://de.wikipedia.org/wiki/Kaledonische_Orogenese.
   
Auf der neben stehenden Skizze ist mit einer roten Punktlinie markiert, inwiefern diese Vorgänge den südwestlichen Ostseeraum betreffen.

Solche Nahtstellen im Krustenbereich der Erde bleiben als instabile Zonen erhalten.
Von der Nordsee bis zum Schwarzen Meer durchzieht seitdem ein breites Störungssystem den europäischen Raum, die "Transeuropäische Störung" (TES). Im Nordwesten stellt sie im Grenzbereich zwischen dem früheren Baltica und Avalonia eine mehrstufige, bedeutende Scherzone dar, einen Verwerfungskorridor, der stets eine gewisse Mobilität aufwies.
Im Verlauf dieses Korridors entstand eine stufenförmige kontinentale Abbruchkante, die die Randgesteine des Baltischen Schildes gestaffelt um viele Kilometer (bei Rügen bis 12 km) unter die heutige Oberfläche absacken ließ.
Das ereignete sich in Zeiträumen vor gut 400 Mio. Jahren, ab dem sog. Ordovizium. Durch das später einsetzende, oben erwähnte Wieder-Auseinanderdriften von Laurentia und Baltica /Avalonia (das bis heute anhält) ereigneten sich anders gerichtete Zerrbewegungen (Extensionen), die ebenfalls zu Brüchen und Grabenbildungen führten.

vereinfachte Skizze nach Angaben in: "National Atlas of Sweden", SNF 1994
   
Die daraus entstandenen, N-S orientierten Bruchstörungen, die vor allem im Bereich des Nordseebeckens als breite tektonische Gräben vorhanden sind, tangieren auch den Untergrund des heutigen Schleswig-Holstein. Hier existiert nahezu über die ganze Breite des Landes der sog. Glückstadt-Graben. In seinem Verlauf treten viele Störungslinien bzw. Schollensegmente auf.  
Spannend ist nun:
Zu einer späteren Zeit haben sich bedeutsame Vorgänge abgespielt, die das alte tektonische Störungsmuster quasi aufgreifen, nachzeichnen und in eindrucksvoller Weise "sichtbar" werden lassen. Es handelt sich dabei um ursprünglich oberflächliche Ablagerungen, die durch nachfolgende, umfangreiche Bedeckung und Überlagerung wiederum selbst zu Tiefenstrukturen wurden  -  aber in ganz eigener Weise...
 

  Salzstrukturen in Norddeutschland   -  Quelle: © BGR Hannover
  Während des Perm (vor ca. 300 - 250 Mio. Jahren)
wurden in dem ausgedehnten Meeresbecken zwischen dem heutigen England, Norwegen, Deutschland und dem Baltikum, in dem sog. Zechsteinmeer, mächtige Salzlager gebildet.
Salz ist kein so dauerhaft festes Gestein wie Granit oder Gneis. Es wird unter auflastendem Druck mobil, d. h. es bekommt eine gewisse Fließfähigkeit und dringt in Schwächezonen ein und nach oben. Solche Schwächezonen waren durch die vorhandenen Bruchstörungen gegeben. Durch die Dynamik des Salzes ist so im norddeutschen Untergrund eine regelrechte Gebirgslandschaft aus Salzbergen (Salzkissen), langgestreckten Mauern (Diapiren) und tiefen Trogtälern entstanden, das sog. "Haselgebirge"  -  mit verblüffenden Ausmaßen: bis 150 km lange und 8 km hohe Salzmauern (Niedermeyer et al 2011).
Die von der BGR Hannover (Bundesanstalt für Geologie und Rohstoffe) veröffentlichte, sehr aussagekräftige Karte zeigt ein deutliches Lineament, vor allem im mittleren Bereich. Die langgestreckten Salzmauern verlaufen hier weitgehend parallel in SSW - NNE weisender Richtung. Sie zeichnen die beschriebenen tektonischen Bruchlinien nach.
Das aus Salzgesteinen aufgebaute Gebirge blieb (und bleibt) in der Folgezeit mobil: Aufliegende jüngere Ablagerungen werden mit den Salzstrukturen emporgehoben bzw. sinken in den seitlichen Trogbildungen tief ab. Das führt zu sehr wechselhaften Profilen und unterschiedlichen Schichtstärken v. a. in den späteren tertiären Ablagerungen.

Hieran wird deutlich, wie sich Gegebenheiten aus dem tieferen Untergrund bis in das Oberflächenrelief auswirken können. Besonders markante Beispiele sind die durch Salztektonik geschaffenen, herausragenden "Geologischen Fenster" in Schleswig-Holstein: Helgoland, der Segeberger Kalkberg, die Liether Kalkgrube, die Lägerdorfer Kreidegruben, das Morsum Kliff.
Neben diesen und anderen landschaftlich sichtbaren Zeugnissen der Wirksamkeit des Salzes im Untergrund spielt das Haselgebirge eine ausgesprochen nützliche Rolle für uns Menschen heute, indem es in seinen vielen tiefen Trogtälern wertvolle Wasserspeicher bereit hält, gleichsam reiche unterirdische Brunnen (wobei zwischengelagerte wasserundurchlässige Schichten dankenswerterweise dafür sorgen, dass wir kein salziges Wasser fördern).
   
Was hat die Flensburger Förde mit der Salztektonik zu tun?
Die längste dieser Salzmauern kommt vom Teufelsmoor in Niedersachsen und zieht, östlich von Brunsbüttel unter dem Elbtal querend, nach Norden bis zur Flensburger Innenförde. Bei Mürwik quert sie die Förde, um dann in Dänemark bald zu enden (siehe Karte des LLUR SH). Auch diese lange Salzmauer hat sich entlang einer großen, alten Bruchlinie (zwischen den Schollensegmenten der ostholsteinischen und der westschleswigschen Scholle) gebildet - und an ihrer Westseite ein tiefes (natürlich mit jüngeren Sedimenten verfülltes) Trogtal entstehen lassen, das heute einen wertvollen Wasserspeicher der Stadt Flensburg darstellt (Wasserwerk Süd).

Ein isoliertes kleines Salzkissen wiederum liegt unter Holnis Spitze und hat möglicherweise dazu beigetragen, dass sich hier inselartig ein Moränenhügel inmitten von Förde und Holnisser Niederungsgebiet erhebt.
   
Neuere hydrogeologische und geophysikalische Untersuchungen in der deutsch-dänischen Grenzregion (publiziert u. a. unter www.umweltdaten.landsh.de/nuis/.../Jahresbericht156-166.pdf) zeigen auf, dass im Bereich der Flensburger Innenförde eine tiefe, alte (mindestens elsterzeitliche) Rinne existiert, die sich nach Süden und Nordwesten in weiteren Rinnen fortsetzt (Tarper Trog und Tønder Graven). Es sind dies Strukturen, die sich im Kontext der Salztektonik ausgeformt haben   -  und möglicherweise auch ferne Ursachen in der TES-Störung und ihrem Bruchliniennetz haben. Zu letzterem kenne ich jedoch bislang keine konkreten Untersuchungen/Belege.

Karten-Dokumentationen von solchen "buried valleys" (glazial verfüllten Rinnen) in Dänemark und Schleswig-Holstein zeigen ein wirres Netz von (teilweise noch vorhandenen) präglazialen Rinnenstrukturen (siehe auch hier.
Den heutigen (vor allem dänischen) Ostsee-Förden liegen überwiegend solche Altformen zugrunde.
   
Als das große Eis kam und Schleswig-Holstein aufbaute...
In dem meist sehr warmen tertiären Zeitalter vor den großen Vereisungen (66 - 2 Mio. Jahren) war der südwestliche Ostseeraum zunächst lange Zeit von einem Meer bedeckt, denn u. a. das wärmere Klima sorgte für einen sehr hohen Meeresspiegel. Im Lauf der Zeit wurde (auch durch die klimatische Abkühlung) die Senke des heutigen Ostseeraums landfest und von einem großen Flusssystem (dem "Baltischen Strom", zuweilen auch "Eridanos" genannt), durchströmt. Flussablagerungen dieses Stroms, zu dem Elbe und Oder Nebenflüsse waren, wurden bei Bohrungen an manchen Stellen in Schleswig-Holstein gefunden, auch unmittelbar südlich von Flensburg.
Wie damals im Detail die Gegend der heutigen Flensburger Förde gestaltet war, ist nicht zu sagen. Gewiss ist: Die präquartäre (voreiszeitliche) Bodenoberfläche lag tiefer als heute. Große Bereiche der südlichen Ostseeküste und nahezu alle Bereiche der dänischen Inseln lägen heute unter einem flachen Schelfmeer, ähnlich der Nordsee, wenn nicht...
     
... ja, wenn nicht eine große, kaum fassbare Umgestaltung gekommen wäre.
Eine fruchtbare, üppig grünende, warme Region verwandelt sich (mehrfach) für Jahrhunderttausende in eine gigantische Eiswüste.
Das bedeutete für lange Zeiträume: Lebensstillstand, Pause  -  .
Unter dem tödlichen Eispanzer geschieht jedoch mit Hilfe des Wassers viel: Mineralisierung, Bodenbereitung, Landschaftsmodellierung...

Die Erde ist im Lauf ihrer langen Entwicklung auf vielerlei Weise kreativ gewesen, nach Menschenmaß oftmals auf lebensfeindliche Art und Weise. Die Eiszeiten sind dies ebenfalls  -  in langen Stillstandsepochen, die wie eine Art regionaler "Erdennacht" anmuten.
 
 
Die Eiszeiten an der Förde...
In dem Beitrag Landschaftsgestaltung durch Wasser und Eis im Flensburger Raum wird vieles beschrieben, was unnötig wäre, hier zu wiederholen. Auch die Darstellung zur Entstehung der Schlei-Region behandelt das Eiszeit-Thema.
 

Es gibt Publikationen mit guten Beschreibungen zum Thema Eiszeit in Norddeutschland.
Verwiesen sei an erster Stelle auf Jürgen Ehlers, Das Eiszeitalter. Spektrum Sachbuch 2011.
Das Buch von Kurt D. Schmidtke: Die Entstehung Schleswig-Holsteins. Wachholtz Verlag 1995   -   ist sehr anschaulich und gut verständlich.
Das Standardwerk von Karl Gripp: Erdgeschichte von Schleswig-Holstein. Wachholtz Verlag 1964  - ist unverzichtbar für geologisch interessierte Schleswig-Holsteiner.
Darüberhinaus gibt es viele wissenschaftliche Veröffentlichungen aus der Quartärgeologie (z. T. online zu finden).
 
Schleswig-Holstein hatte also   -  im Lauf von Jahrmillionen  -  geologisch einiges auszuhalten.
Fassen wir die wichtigsten Vorgänge nochmals zusammen
:
Das Norddeutsche (Germanische) Becken ist  -  immer noch  -  ein großes Senkungsgebiet, in dem sich seit dem frühen Erdmittelalter aus Sedimentablagerungen mächtige Gesteinsschichten gebildet haben  -  zwischen 2 km bis über 10 km tief. In ihnen eingelagert sind Lagerstätten von Salzen, Erdöl und Erdgas.
Seit dem Perm ist im Kontext des (noch anhaltenden) Auseinanderdriftens von Europa und Amerika das große Westeuropäische Grabenbruchsystem entstanden  -  und nach wie vor aktiv. Schleswig-Holstein gehört dazu. Das vorhandene Bruchstörungsnetz wird periodisch verstärkt reaktiviert, wenn weitere tektonische, stressverursachende Ereignisse eintreten  - 
wie z. B. die Auffaltung der Alpen im Tertiär und die gewaltige Druckwirkung durch das ausgedehnte skandinavische Landeis sowie die postglazialen Ausgleichsbewegungen (nach Druckentlastung durch Verschwinden des Eises).
Die physikalische Geologie kann mittels Feinnivellements und Referenzhorizonten und weiteren Fernerkundungsdaten die gegenwärtigen Bewegungsvorgänge am Bruchstörungsnetz aufzeigen.
 
Für die Anlage der Flensburger Förde ist zusammenfassend festzuhalten:
Bereits das frühe (zunächst von Norwegen, später auch von Schweden kommende) Eis hat die vorgeprägten, in NE - SW Richtung angelegten Täler ausgeformt. Spätere Vereisungen haben das ihre dazu getan...
Die Hohlform der heutigen Flensburger Innenförde
ist in Lage und Ausrichtung also recht alt und wurde wiederholt von den heranrückenden Eismassen ausgeräumt und von Schmelzwassern ausgespült -  und natürlich durch nachfolgende Erosion partiell wieder aufgefüllt... Die Innenförde erfuhr ihre finale Ausgestaltung durch das Eis des Weichsel-Hochglazials  -  und die Zeit danach. Denn erosive Vorgänge haben in den Jahrtausenden seit dem Verschwinden des Eises viel Material von Hochlagen abgetragen, seitliche Kerbtäler entstehen lassen, umgekehrt den Talboden aufgefüllt und so insgesamt das Relief reduziert und sanft geglättet.
Die Flensburger Außenförde war ursprünglich mit dem Vemmingbund Teil einer größeren Bucht. Mehrere späte Eisvorstöße, jeweils schwächer werdend und weniger weit reichend, schufen Staffeln von Endmoränenzügen, die später vom Schmelzwasser durchstoßen bzw. abgeräumt wurden. Die großen Moränenzüge in Angeln (in mehreren Phasen aufgebaut) gehören in ihrer letzten Ausformung ebenfalls zu den spät aufgeschobenen und abgesetzten Ablagerungen des Weichsel-Eises. Flankiert von ihnen und von Broager konnte das weite, talartige Gebilde der Außenförde entstehen.  
 
Und was kam nach dem Eis?
Mit dem sich erwärmenden Klima setzte ab ca. 15.000 v. Chr. ein rasches Niedertauen des Eises ein. Und die eisbefreite, wasserdurchströmte Schotterwüste begrünte sich:
Zunächst konnte nur arktische Tundra existieren, wir wissen von Rentieren und nomadisierenden Rentierjägern...
Dann bildeten sich boreale Waldformen aus (Birken-Kiefern-Wälder, hier bei uns ab ca. 11.000 v. Chr.) und die frühesten Laubhölzer (v. a. Hasel).
 
  Für die Zeit von 9610–9350 v. Chr. wird ein schneller Temperaturanstieg von etwa 6° C innerhalb von 40 Jahren beschrieben. Der Meeresspiegel stieg entsprechend um einige Meter  -  lag aber immer noch bei mehr als 50 m unter NN: das heißt, die südwestliche Ostsee war weiträumig noch landfest.
Um ca. 7.300 v. Chr. erreichte die klimatische Erwärmung bereits nahezu heutige Temperaturwerte, der Wasserspiegel der damaligen Ostsee (es war der Ancylus-Süßwassersee ohne Verbindung zur Nordsee) lag um einiges tiefer als die Nordsee  - und um etwa 30 m tiefer als heute. Das heißt, immer noch lagen große Teile der südwestlichen Ostsee  -  und die Förden ohnehin  -  trocken.
Die Flensburger Förde war ein Wiesental, durchsetzt mit kleinen Seen und Sümpfen. Sommergrüne Eichenmischwälder breiteten sich aus, auf nassen Böden Erlenbruchwälder. Die uns heute vertrauten Buchen erreichten den Norden erst während der Völkerwanderungszeit.    
Dann  -  im Verlauf des 6. Jahrtausend v. Chr. wurden auch die Täler der heutigen Förden geflutet.

                         Der südwestliche Ostseeraum um ca. 15.000 v. Chr.
                         Bearbeitete Graphik nach Angaben in:
geoviden-2-2005.pdf
                         (Der kleine rote Punkt: Flensburg)
 
Mit diesem stichpunktartigen Abriss können nur einige Aspekte der komplexen Vorgeschichte der Flensburger Förde angedeutet werden. Und viele Fragen sind nach wie vor offen, insbesondere im Detail...
 
 
Wo finden wir besonders schöne Küstenabschnitte?
Im Rahmen der nachfolgenden (mehr oder weniger ausführlichen) Beschreibungen einzelner Küstenabschnitte wird versucht, die geologische/glaziale Vorgeschichte in die jeweilige Betrachtung einzubeziehen.
           
  Innenförde:
     Kluesries, Kollunder Wald und Krusauer Tunneltal
     Ochseninseln
     Meierwiker Moränenkuppe, Quellental, Westerwerker See
     Halbinsel Holnis

 Außenförde:
     Broager mit Borreshoved/Skeldekoppel/Stensigmose/
     Dybbøl Banke und Nybøl Noor, Cathrinesminde
     Sønderborg Skov und Kegnæs
     Geltinger Bucht und Geltinger Birk
     Habernis Kliff und Habernisser Moor
     die Steilufer zwischen Neukirchen und Wahrberg
     Langballigau (Tal und Höftland)
 
 
Hinweis: Anregung zum Wandern am Fördestrand (und viele interessante Informationen obendrein) liefert die PDF-Datei
www.nano-stiftung.de/fileadmin/.../Wanderfuehrer_Foerdesteig_web.pdf.
zitierte Quelle: Grim, Stephanie 2012: Abflusslose Senken – Instrumente in der Landschaftsanalyse und Indikatoren rezenter Krustenbewegungen. Diss. Universität Mainz