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Postglaziale Landschaftselemente  -  Binnendünen

 Sander | Erosionstal | Moor | Heide | Wanderdüne

Wasser und Wind bewirkten die Sonderung der unterschiedlichen Bestandteile in dem großen Gemenge der glazialen Ablagerungen. Die leichten Teile (Sand und Schluff) führten sie mit sich und lagerten sie an geeigneten Plätzen neu ab. Zunächst war das Schmelzwasser der Transporteur. Je feiner der Sand war, umso weiter wurde er verfrachtet und schließlich in weiten Schwemmsandebenen (Sandern) vor dem Eis abgelagert. Wo diese trocken fielen, griffen die Winde zu. Sie nahmen den Sand auf, sie verwehten ihn, oft weit, und konnten ihn lokal zu Dünen aufhäufen. Dieses luftige Spiel geschah über lange Zeiträume - denn auch nach dem vollständigen Niedertauen des Landeises dauerte es, bis eine beständige Pflanzendecke die sandigen Flächen schützte und den Sand fest hielt.
                                                                      äolisch abgelagerter Sand
 
 
  So bildeten sich in der spät- und postglazialen Landschaft  
  
verbreitet Flugsandflächen und Binnendünenareale, oft
  in beachtlichen Ausmaßen.
  Am ausgeprägtesten natürlich in den Schwemmsandebenen
  vor dem Haupteisrand (auf der heutigen Geest), häufig auch
  in Urstromtälern, eher selten jedoch im Kontext kleinerer
  Binnensander inmitten des Moränenlandes, dann verursacht
  durch die unterschiedlichen Stadien des Eisrandes und
  seiner Schmelzwasseraustritte.
  Meist zeigen Binnendünen eine unregelmäßige Form ihrer
  Kuppen und Täler, eine Auswirkung der verwirbelnden Aus-
  blasungsvorgänge.
     
Wo die Befestigung der Sandfelder nicht gelang und der dem Wind ausgesetzte Sand seine Mobilität behielt, behielten Dünen die Möglichkeit, zu wandern  -  sie blieben Wanderdünen.
Inzwischen finden wir diese nicht bezähmbaren Naturphänomene bei uns eigentlich nur noch im Küstenbereich.
Die ansässigen Landeigner versuchten stets, sich der Übersan-dung ihres Landes mit Anpflanzungen zu wehren. Das erfolgte in erster Linie mit Kiefern, in Küstennähe auch mittels Strandhafer.
Aber auch das Umgekehrte geschah nicht selten: dass durch Rodung und Überweidung bewachsener Dünengebiete und Flug-sandfelder die Sandgebiete wieder aufgebrochen und aktiviert wurden. Daraus konnten Heiden entstehen.
 
       Wanderdüne auf Sylt
   
Beispiele von Binnendünenfeldern:
 
Ein sehr schönes Binnendünenfeld ist das der Süderlügumer Binnendünen im nördlichen Schleswig-Holstein nahe der dänischen Grenze.
Mit seinen offenen Heiden stellt es heute nur einen kleinen Teil der im Übrigen mit Nadelgehölzen aufgeforsteten Binnendünenlandschaft der Lecker Geest dar. Diese gehört zu den Altmoränen-Komplexen der Hohen Geest, die im Verlauf des Weichsel-Glazials eine Flugsandüberlagerung erhalten hatten. Die feinen Flugsande wurden vom Wind aus den Sandern, aber auch aus Schmelzwasserrinnen aufgenommen - im Süderlügumer Bereich aus den Rinnensystemen der Lecker Au und der Wiedau - lokal zu Dünen aufgeweht. Die heutigen Dünenformen gehen allerdings nicht bis auf diese frühe Zeit zurück. Bäuerliche Nutzung und die Anpflanzung von Strandhafer bedeuteten verändernde Eingriffe.
Weitere Informationen, auch zur Flora und Fauna, hier.

Bild rechts: Weite Teile des Dünenfeldes sind mit dem feinen Gras der Drahtschmiele bewachsen. Ihre lockeren Rispen wirken gleich einem rötlichen Schleier über dem Ganzen, unterbrochen von den grünen Flecken der Krähenbeere.
 
   
Auch das Heidekraut (Besenheide) kommt verstreut in vielen kleinen Flecken vor  -  hat es aber schwer sich zu behaupten, so scheint es. Am ehesten gelingt es ihm an den wenigen offeneren Stellen.
Im Zentrum des Dünenfeldes ist das Relief bewegter, dort ist unter anderem eine Ausblasungswanne ausgebildet.
Binnendünen stellen einen ausgiebig besonnten und durch den sandigen Untergrund extrem trockenen Lebensraum dar. Seine Bewohner sind an diese speziellen Gegebenheiten angepasst  -  und durch diese Anpassung auf sie angewiesen.
Darauf nimmt die Ausweisung als Naturschutzgebiet Rücksicht, sie erfolgte hier bereits 1938.
 
Literaturempfehlung:
U. Heintze, W. Riedel: "Die Schleswigsche Geest", Husum 2021 (darin S. 291-297 "Dünenlandschaften im Nordwesten der Schleswigschen Geest")
 
 
 
Der vielgestaltigen und artenreichen Binnendünenlandschaft von Nordoe liegt eine komplexe und interes-sante Entstehungsgeschichte zugrunde. Sie wird z. B. hier (S. 6 ff), im Kontext des Managementplanes des LLUR 2010, dargestellt. Knapp zusammengefasst:

Die Münsterdorfer Geestinsel ist ein durch die glaziale Ur-Stör von der Itzehoer Geest getrennter Teil der Holsteinischen Vorgeest. Zusätzlichen tektonischen "Auftrieb" hat dieses Gebiet erhalten durch einen unter der Lägerdorfer Kreide aktiv aufdrängenden Salzstock. Im Zuge der pleistozänen Vereisungen erfolgte die eigentliche, bis heute im Wesentlichen erhaltene Oberflächen-Ausformung. Während die Moränendecke der Kaltzeiten vergleichsweise dünn blieb, wirkte das Schmelzwasser umso nachhaltiger  -  sowohl im Stör- als auch im Elbe-Tal. In allen Vereisungen reichte das ausgedehnte Elbe-Urstrom-tal bis an die Geestinsel und schuf mit seinen gewaltigen Schmelz-wassermengen an ihrem Südrand die heute immer noch markanten (fossilen) Kliffhänge, oberhalb der Rethwischer Marsch. Zugleich wurden weiträumig mächtige Sander aufgeschüttet. Spätere Trans-gressionsphasen machten die Geestinsel tatsächlich zeitweilig zu einer echten Insel, was zur Ausbildung von Stranddünen führte (die heute noch in Resten vorhanden sind).  
     
 

Zur Situation der Münsterdorfer Geestinsel:
eine stark vereinfachte Höhenschichtenkarte
.
Mittels schwarzpunktierter Linie ist die Lage des Naturschutzgebietes Nordoer Binnendünen markiert.





in Farbe übertragene, ergänzte Kartenskizze nach Angaben in:
Degn/ Muuss 1966: Topographischer Atlas Schleswig-Holstein, S. 148

 
 
Dem 407 ha großen Naturschutzgebiet liegen alte Reste einer unverkoppelten Allmende-Landschaft zugrunde, die durch die spätere Nutzung als militärischer Übungsplatz vor moderner (intensiver) Landwirtschaft, Entwässerung, Umbruch, Düngung oder flächiger Aufforstung bewahrt wurde. 
 
 
  Das Gebiet enthält daher aus alter  -  und neuer  -  Zeit
eine Vielfalt unterschiedlicher Lebensräume
:
offene und bewaldete Dünen, offene Sandflächen, Magerwiesen,  Feuchtheiden (in Dünentälern), Sandheiden (mit Heidekraut und Ginster),
zahlreiche Kleingewässer, moorige Bereiche, Eichenkratts...,
es enthält aber auch Gehölzanpflanzungen aus der Zeit der militärischen Nutzung.
Der mit dem Nordoer Schutzgebiet geschaffene Verbund verschiedenster Biotope ist die Grundlage für einen großen, wertvollen Artenreichtum.
 
 
Es bedarf mehr als eines Spaziergangs, um dieses an Lebensformen reiche, an leuchtend auffallenden, aber auch an unscheinbaren Vertretern reiche Gebiet wirklich kennen zu lernen.
Hier nur ein paar Momentaufnahmen:
 quirlige Knorpelmiere  Bergsandglöcken Rundblättriger Sonnentau Bärlapp Glockenheide
Lungenenzian Augentrost Kreuzblume (und Besenheide) Teufelsabbiss Feldthymian
Das Tierleben wahrzunehmen ist weniger einfach  -  es sei denn, man begegnet einer Herde der Landschaftspfleger... die sind nicht zu übersehen. Neben den Burenziegen sind Exmoor-Ponys, Galloways und Schottische Hochlandrinder im Einsatz.
Aber mit Glück sieht man auch kleinere Formate  -  das eine oder andere standortbezogene Insekt...
Burenziegen wirken der Verbuschung entgegen Wespenspinne mit Nest Sandbienen wiederum bauen ihre Nester im Boden
       
Sehr empfehlenswert ist diese informative Präsentation:  
https://www.botanik-steinburg.com/files/NordoerHeideGesamt2011.pdf
 
   
     
Die Binnendünenlandschaft im Sorgwohlder Raum  - mit den Teilgebieten der Binnendünen, der Krummenorter Heide und des Loher Geheges  - stellt nur kleine Reste einer einst ausgedehnten Moor-, Dünen- und Heidelandschaft in dieser Region dar. Wie viele weitere der Sandgebiete auf der Geest hatte sie sich ab dem Ende des Weichsel-Glazials ausgebildet. Die damals verbreitete baumlose Tundra war von sandreichen Schmelzwassern durchströmt, die ihre Sandfracht weitflächig ablagerten. Und auch hier wehte der Wind den Sand zu Flugsandfeldern und Dünen auf. Die sukzessive sich entwickelnde Vegetation führte noch in vorgeschichtlicher Zeit zur Bewaldung  - die später jedoch den bronze- und eisenzeitlichen Siedlern zum Opfer fiel. Die dadurch entstandenen Heideflächen wurden durch die bäuer-liche Bewirtschaftung ab dem Mittelalter, durch weitere Entwaldung, durch Beweidung und Plaggenwirtschaft weit-gehend zerstört. Im 19. Jh. wurden Maßnahmen ergriffen, die wiederum offenen Sandflächen festzulegen  -  durch Bepflanzung mit Strandhafer und durch Aufforstung.
     
Mit Kiefernwald bestandenes Binnendünen- gebiet -  das Loher Gehege. Der historische Ochsenweg führte bei Sorgbrück durch die Flugsandfelder. Seine Trasse ist partiell erhalten.
     
Diese Entwicklungsetappen sind beispielhaft für die meisten Flugsandfelder und Dünengebiete der Niederen Geest. Die meisten dieser Areale sind heute bewaldet, einige wenige werden unter Naturschutzgesichtspunkten (möglichst) offen gehalten und als Heidedünen gepflegt.
     
 
Die Lütjenholmer Heidedünen wurden 1938 unter Schutz gestellt. Und auch dieses Gelände ist nur ein "winziges Überbleibsel jener Heidelandschaft, die vor 1900 noch weite Landesteile bedeckt hatte" Zitat-Quelle.
   
 
Obwohl heute nicht unerhebliche Teile der Heide vergrast sind, haben sich verschiedene Formen von Feucht- und Trockenheiden sowie kleine Heidemoore erhalten.
In den kleinen Feuchtheideflecken kommt die seltene Moorlilie vor und in kleinen Beständen der in Mooren heimische Gagelstrauch. Im Heidemoor kontrastieren die rötlichen Bestände des Knöterichs zum saftig-grünen Torfmoos.
Den Lütjenholmer Heidedünen sind durch das umgebende Agrarland enge und klare Grenzen gesetzt. Es bildet einen grünen Ring um das farbenreiche Heideland. Das gut 16 ha große, durch einen Weg erschlossene und mit Infotafeln versehene Gelände kann in kurzer Zeit durchwandert werden.                    
      Skizze im Faltblatt
 
Ebenfalls 1938 wurde die mit nur 7 ha deutlich kleinere "Düne am Rimmelsberg" unter Schutz gestellt. Eine Besonderheit des Gebietes ist ihr Bestand an in Schleswig-Holstein selten gewordenen Wacholderbüschen. Der Vergrasung durch die Drahtschmiele wird durch jährliches Abplaggen versucht, Einhalt zu gebieten.

 
       
       
Literatur:
Müller M. J. 1999: Genese und Entwicklung schleswig-holsteinischer Binnendünen. Ber. z. dt. Landeskunde 37,129-150.
Zölitz, R. 1989: Landschaftsgeschichtliche Exkursionsziele in Schleswig-Holstein. Wachholtz-Verlag, Neumünster.
Links:
Zur naturschutzfachlichen Situation der Binnendünen in Schleswig-Holstein (Jahresbericht des Landesamtes für Natur und Umwelt des Landes Schleswig-Holstein 2007/08)
   
 
  zum Überblick Eiszeitliche Landschaftselemente