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Südnorwegen  -  Iveland

Iveland ist eine Gemeinde in der südnorwegischen Provinz Aust-Agder. Sie ist überregional bekannt geworden durch eine geologische Attraktion besonderer Art: Die Iveland-Wand (Iveland wall). Sie ist ein etwa 25m langer und fast 6m hoher, geglätteter Straßenaufschluss, der in einmalig schöner Weise pegmatitische Intrusionen im lokal typischen Amphibolgneis zeigt.
Aber Iveland hat noch mehr zu bieten. Die Gemeinde ist Teil des Evje-Iveland-Pegmatit-Gebiets. Der Pegmatit-Abbau hat in der Vergangenheit einen großen Reichtum an schönen bzw. seltenen Mineralen zutage gebracht. Im Gemeindezentrum von Iveland kann eine umfassende und gut präsentierte Mineralien-Ausstellung besucht werden.
Darüberhinaus können in dem Gebiet etliche der stillgelegten Pegmatitbrüche aufgesucht werden.
   
Die Iveland-Wand  
Die im Jahr 2009 anlässlich einer Straßenverbreiterung freigelegte Felswand befindet sich an einer Straßenkreuzung in Birketveit (dem Verwaltungszentrum der Gemeinde Iveland).   
   
   
Im Gemeindezentrum liegt für Besucher eine Beschreibung des Aufschlusses von Ole Fridtjof Frigstad, Geologe im Agder Naturmuseum (Universität Agder) in Kristiansand aus  -  in Übersetzung aus dem Norwegischen:
    "Die freigelegte Felswand an der Straßenkreuzung im Zentrum von Iveland ist ein einzigartig schöner geologischer Profilschnitt. Er zeigt die in Iveland typische Gesteinsart und ihr Auftreten in sehr anschaulicher Weise.
Das Ursprungsgestein im Gebirgsuntergrund von Iveland ist ein Gabbro, der vor etwa 1200 Mio. Jahren tief in der Erde erstarrte. Als das Gebiet später in Gebirgsbildungsvorgänge geriet, wurde viel von dem Gabbro zu der schwarzen Gesteinsart Amphibolit umgewandelt  -  und der ist es, den wir in all den dunklen Feldern hier an der Straßenkreuzung sehen. Wahrscheinlich hingen diese Stücke zusammen, wurden aber durch Bewegungen tief im Erdkörper auseinandergerissen.
    Das Gebiet nördlich von Iveland enthält viel Amphibolit, im Süden und Westen dominiert die Gesteinsart Bändergneis mit ihren hellen und dunklen Streifen. In der angeschnittenen Felswand ist der Bändergneis die überwiegende dunkle Gesteinsart. Er enthält eine grau erscheinende Mischung aus den Mineralen Amphibol und Feldspat, und darin sind viele dünne helle Streifen (Bänder) aus Feldspat und Quarz sowie schwarze Streifen aus Glimmer und Amphibol. Diese Bänder fallen ca. 50 - 70⁰ nach Westen ein.
    Der Bändergneis ist eine Gesteinsart, die unter den Bewegungen der Gebirgsbildung vor 1000 -1100 Mio. Jahren entstand. Im Aufschluss sehen wir, dass der Bändergneis viele weiche Falten und wellige Streifen bildet, die auf eine starke Deformation hinweisen. Dass sich dies in der Wärme in etwa 20 km Tiefe ereignet hat, ist nicht schwer vorzustellen. Aber wir sehen auch, dass der dunkle Untergrund der Felswand in linsenartige Felder aufgeteilt ist, stellenweise zeigen sie eine S-Form. An einigen Stellen sehen wir, dass eine Linse von einer anderen abgeschnitten wird. Hier müssen scherende Bewegungen in einer möglicherweise tiefen Gebirgszone tätig gewesen sein.
    Die größte Besonderheit dieses schönen Aufschlusses ist das großräumige Muster von hellen Adern und Gängen, wir können es eine Marmorierung nennen. Die hellen, feinkörnigen Granitadern bestehen aus Quarz und Feldspat, enthalten aber schwarze, bis 5 cm große Kristalle aus dem magnetischen Eisenmineral Magnetit. Hier kommen auch kleine Ansammlungen des schwarzen Minerals Biotit vor. Die einige Dezimeter breiten Granitadern bilden meterlange breite Zonen und laufen von dort in mehreren Richtungen auseinander. Sie lassen so ein mehr oder weniger zusammenhängendes Muster entstehen  -  es scheint, als würde die ganze Wand von einem granitischen Magma durchsetzt, das relativ rasch erstarrt ist, weil es so feinkörnig ist. Im ganzen umgebenden Gebiet ist viel Granit vorhanden, der höchstwahrscheinlich zur gleichen Zeit entstanden ist.
    Die Region Iveland verfügt über viele Vorkommen von Pegmatit, Gängen aus Quarz, Feldspat und anderen Mineralen. In diesem Aufschluss hier ist davon wenig zu sehen. Im oberen rechten Teil gehen die Granitadern gradweise über in mehr grobkörnigen Pegmatit mit Quarz im Zentrum. Das ist interessant, weil es zeigt, dass die Granitadern Vorläufer der später gebildeten großen Pegmatite sind.
Die Wand enthält viele kleine geologische Details, die besser aus der Nähe zu betrachten sind, u. a. kleine Quarz-Feldspat-Augen, die wie in Reih und Glied entstanden sind  -  Falten gleich einem sich windenden Fluss  -  dünne, unregelmäßige Bewegungen, wie man sie bei Öl in Wasser sieht  -  in der Wandmitte eine gekrümmte Linie mit deutlich verschiedenen Mustern zu beiden Seiten... usw.
    Wir sehen auch mehrere mm dünne, weiße Adern, die größere Felder durchziehen. Sie sind spät entstanden, als das Gestein schon fest geworden war.
    Der Felsaufschluss hier mitten in Iveland zeigt folgende Entwicklungsschritte auf:
  1.  Dunklen, ursprünglichen Amphibolit.
  2.  Gebänderten Gneis, entstanden in Erdkrustenbewegungen.
  3   Deformation und Faltung.
  4.  Bewegung, die die Gesteine in Linsen trennte.
  5.  Eindringen von Magma, das zu Granitadern erstarrte.
  6.  Starre Risse."
 
   
Migmatitische Strukturen im linken Teil des Aufschlusses: Leukokrate Schlieren (= Neosom), teilweise pegmatitisch ausgebildet, bewegen sich überwiegend parallel mit der duktilen Verformung. Sie vereinigen sich in unregelmäßigen Klumpen / Flecken grobkörniger Pegmatite.
Im Bild unten links ein pegmatitischer Einschluss mit zoniertem Aufbau: Graphische Verwachsung im äußeren Saum, im mittleren Bereich grobkörnig, im Kern Quarz. Bild unten rechts: ein pegmatitischer Einschluss in Auflösung mit Resten von Quarz, Feldspat und Magnetit.

Bild unten links: Auseinandergerissener pegmatitischer Einschluss. Rechtes Bild: Beispiel für die Beobachtung, dass im rechten Teil des Aufschlusses weniger eine strömende Bewegung (wie im linken Teil) auftritt als vielmehr eine statisch verformende, verfaltende...

... und feinste Schlierenbildung  -  wie Öl in Wasser.
 
   
In einer Publikation von 2017 gibt Axel Müller (MLS) weitergehende Hinweise zur Genese mit geologischen Details (siehe unten), auf mindat.org (Link unten) nachzulesen:
 
   
Link:
https://www.mindat.org/loc-299235.html
Literatur:
Müller A, Friis H, Johansen TS, Werner R, Thoresen Ø. (2017) Sveconorwegische Pegmatite aus dem Gebiet Evje-Iveland, Südnorwegen. In: Müller A., ​​Husdal T., Sunde Ø., Friis H., Andersen T., Johansen TS, Werner R., Thoresen Ø., Olerud S. (Hrsg.) Norwegische Pegmatiten I: Tysfjord-Hamarøy, Evje- Iveland, Langesundsfjord. Geological Society of Norway Geological Guides 2017-6, S. 48-102, ISBN: 978-82-8347-020-8
als PDF-Datei im Internet abrufbar.

Hinweis: Die Väster
ås AmatörGeologiska Sällskap führte 2018 eine Exkursion nach Evje-Iveland durch. Im Heft "Litofilen" Jg.35 /4, S. 12-28 ist ein Bericht von Peter Fels abgedruckt, der auch auf die Iveland-Wand eingeht.
   
   
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