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Südnorwegen - Steine der Ra-Moräne auf Tromøy und Merdø
Das bunte Gesteinssortiment der Ra-Moräne
besteht überwiegend aus Nahgeschieben aus dem südnorwegischen Hinterland,
aus Vertretern des Berggrundes in den Herkunftsgebieten. Metamorphite, vor allem Gneise,
dominieren. Jedoch zeigt sich darüberhinaus eine beeindruckende Vielfalt
verschiedener Gesteinsarten - bereichert auch durch
einen
deutlichen Anteil an Gesteinen aus dem Oslo-Graben. |
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An der Südküste von Tromøy wechseln vorragende und blank ins
Meer abfallende Felsklippen mit kleinen, flachen Buchten, die
reich mit Geröllen gefüllt sind. Auf Grund der beständigen
Brandung an der dem Skagerrak offen ausgesetzten Küste sind sie gut
gerundet - und je näher der Wasserlinie, desto frischer
und deutlicher
im Gefüge zu erkennen.
Höher am Strand sind die Steine von Flechten bewachsen und
schließlich unter weiterer Vegetation verborgen.
Nachfolgend einige augenfällige Steine aus dem großen variantenreichen
Sortiment...
Der Strand von Spornes auf Tromøy, hier liegen diese Steine. |
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Unter
den Gneisen sind viele Migmatite, gut
erkennbar ist dies allerdings nur anhand größerer Blöcke. |
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Vereinzelt treten - als Lokalgeschiebe - charnockisierte Gneise auf, 2
Bilder rechts (siehe
Arendalit). |
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Sehr
häufig finden sich granathaltige Metamorphite,
Gneise und Amphibolite. Der Berggrund in Telemark besteht in
vielen Regionen aus Bändergneisen und Amphibolgneisen. Granate
wachsen in diesen Gesteinen während des Umwandlungsprozesses. |
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Die sehr
feinkörnigen, oft streifigen Hornfelse sind
immer wieder anzutreffen. Es sind - bei
Temperaturen um 600 bis 700o C -
kontaktmetamorphosierte Sedimentgesteine. |
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In Kontaktbereichen kommt es zu
Gemengelagen von verschiedenen Magmen, zu Infiltrierungen und zu brekziösen Vorgängen
(2 Bilder unten links).
Für ein ausreichendes Verständnis der jeweiligen Situation bräuchte es da den Kontext des
Muttergesteins.
Das 3. Bild zeigt einen hellen
Quarzit, ein Umwandlungsgestein aus Sandstein.
Die Entstehung der Flecken bei Fleckengraniten
(4. Bild) werden als
metasomatischer Prozess erklärt, d. h. durch Vorgänge in der
Spätphase der Gesteinsbildung, wenn heiße Lösungen
Mineralwanderungen bewirken
(Detailbild). |
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Auf Grund seiner speziellen Gesteine gilt dem
Oslo-Gebiet stets besondere Aufmerksamkeit.
Ein augenfälliger und leicht kenntlicher
Blickfang am Strand sind die Rhombenporphyre. Sie waren einst die Prototypen der
Leitgeschiebe in der Geschiebekunde - es sind Lavagesteine,
die im Kontext des anhaltenden Vulkanismus im Oslo-Graben als
Decken und als Ganggesteine entstanden sind. Auf Grund der über
lange Zeiträume wiederholten Vulkanausbrüche, die auch mehrere
Calderen hinterließen, hat sich eine große Variationsbreite
hinsichtlich der Farbe der Grundmasse und der Ausgestaltung der
Einsprenglinge herausgebildet. Um dies zu demonstrieren, sind
hier mehrere der bei Spornes gesichteten Rhombenporphyre
zu sehen. Viele der Typen können bestimmten Lavadecken zugeordnet
werden. Eine hilfreiche Übersicht findet sich bei dem Kenner
norwegischer Gesteine, Henrik Arildskov:
http://www.vendsysselstenklub.dk/gallerioversigt.html |
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Rhombenporphyr kann auch als Geröll bzw. Bruchstück in
Rhombenporphyr-Konglomeraten oder -Agglomeraten
(1. und 2. Bild unten) auftreten. Auch dies ein Hinweis auf
nicht nur wiederholten sondern auch heftigen Vulkanismus in der
Region - damals, während des Perm vor ca. 300-270
Mio. Jahren.
Aus demselben Magma, das im Oslo-Gebiet effusiv oder subvulkanisch die
Rhombenporphyre schuf, bildeten sich als Tiefengesteine
Magmatite, vor allem Syenite und Granite, mit verschiedenen
Typen von Übergangsgesteinen. Sie sind so ungewöhnlich in
Zusammensetzung und Gefüge, dass das Oslo-Gebiet internationale
Bekanntheit unter den Geologen bekam. |
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Rhombenporphyr-Agglomerat |
Nordmarkite
sind variantenreiche Quarzsyenite.
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Larvikite
sind grobkörnige Syenite aus dem Larvik-Gebiet. Sie treten
bläulich schimmernd, hellgrau und grünlichgrau bis fast schwarz
auf und sind viel verwendete Dekorsteine. |
Lardalit,
ein nephelinführender
Syenit nördlich von Larvik |
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Kjelsåsit ist
eine besondere Variante des Larvikits |
Auch rötliche Syenite
treten häufig im Oslo-Gebiet auf. |
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Granite sind im Oslo-Gebiet mengenmäßig weniger vertreten als
die Syenite. Das größte Verbreitungsgebiet hat der
Drammen-Granit (linkes Bild). 4. Bild rechts: ein
unbestimmter Granit/Pegmatit aus Südnorwegen. |
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Ein solcher Gang über den Strand ist eine Momentaufnahme und
kann keinesfalls den Anspruch erheben, repräsentativ zu sein. Aber er
bestätigt die Freude an der Formen- und Farbenvielfalt und lässt
zugleich über eine Zeit nachsinnen, die rund 12.000 Jahre
zurückliegt, da es hier ganz anders ausgesehen hat. |
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Auf der Südseite von Merdø ragt eine felsige
Halbinsel vor der
Geröllküste aus dem Wasser auf: Lakseberget.
Die Kuppe besteht wie die gesamte Insel aus Amphibolit, hier plus einem
breiten Band Granatglimmergneis.
Dieser ungewöhnliche Untergrund hat der
Ra-Moräne viele lokale Amphibolitgesteine hinzugefügt, was am Geröllstrand deutlich
wahrzunehmen ist - und auf der Nordseite der Insel dunklen
Strandsand ablagert.
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Beispiele von einem Besuch am steinigen Strand: |
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Als "Exot" ein fossilreiches
Sedimentgestein:
Kambrosilur (Oslo-Gebiet) |
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Großgeschiebe
Auf Tromøy können wir immer wieder imposanten
Großgeschieben begegnen. Der bekannteste unter ihnen, 140 t
schwer, liegt im Naturschutzgebiet von Hove. Eine
Informationstafel besagt, dass es sich um einen granathaltigen
Pyroxenit, vermutlich aus der Region um Kongsberg stammend, handelt, den
das Eis vor rund 11.000 Jahren mitgeführt und hier in der
Ra-Moräne abgelagert hat. |
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Aus dem gleichen Gestein ist ein großer Findling, der bei
Bjelland am Ufer liegt. |
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Großgeschiebe verändern ihre Position nach dem Abgelegt-werden
und dem Niedertauen des Eises nicht mehr. Somit geben sie
Hinweise auf die einstige Lage des Moränenwalls und darauf,
welche Mengen an leichterem Material, in das er einst verpackt
gewesen war - Steine, Kies, Erde... -
seitdem verschwunden sind.
Die beiden ersten Bilder unten zeigen einen hellen, unbestimmten
Magmatit, vor dem Ufer im Wasser liegend, ebenfalls bei Bjelland.
Ebenso schwer zugänglich wie dieser lag der 4. Block (Bild
rechts) bei Hove. Derart isoliert im flachen Wasser wirken
solche Großgeschiebe, die hier ja Fremdlinge sind, besonders
schwer. |
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Der Steinreichtum in der Landschaft entlang der Südküste ist
unübersehbar.
Die Ra-Moräne war stets ein nicht nutz-barer, hinderlicher
Geländestreifen in der Landschaft. Das Bauen und Wohnen in
diesem Gelände setzte erst mit der Errichtung von Ferienhäusern
ein. Dazu wurden die entsprechenden Frei-Räume geschaffen, mehr
oder weniger durchgreifend (Bild rechts und letzte Reihe unten).
Erst seit der Einrichtung des
Nationalparks besteht die Auflage, die Moräne unangetastet zu
belassen. |
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Jedoch gab es bereits in alten Zeiten einen Anlass zur Verwendung der
Steine (Bild links). |
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Auf Hove gibt es rund 60
Hügelgräber.
Sie werden in die Zeit
von 1800 v. Chr. bis 1000. n. Chr.
datiert und sind nach nordischer Art
als Röse (Gravrøyser)
erhalten, d. h.
als Hügel aus Geröllsteinen, die ein
Steinkistengrab bedecken. Die Ra-
Moräne lieferte reichlich
Material für
diese Form der Bestattung, siehe
Mølen. |
Mancher machte aus der Not eine
Tugend:
Da für den Bau der Hütte im Be-
reich der Moräne die Steine ohne-
hin entfernt werden mussten,
wurden sie als Baustoff einge-
setzt - und schafften so ein
dem Ort sichtbarlich angepasstes
Heim.
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Aber es ist unübersehbar, dass die
Menge der Steine manches Anwesen zu
einer wahren Steinfestung werden lässt.
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Um begehbare Rasen-flächen rund um die Hütten zu bekommen,
wurden breite Steinmauern und Hügel aus Geröllen geschaffen.
Es bleibt jedoch der nach-haltige Eindruck: Entlang der Südküste von Tromøy
bestimmen die Rollsteine die Optik. |
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