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Gesteine  -  Sedimentgesteine  -  Flint (Feuerstein)

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Kreideküste von Stevns Klint, DK Feuersteinlage im Kreidefels Feuersteinlage im Kreidefels Feuersteingeröllstrand
Stevns Klint (DK), Kreidefelsen mit Feuerstein-Horizonten
(schräg nach links einfallend)
Flint-Lage im Kreidefels: schwarzer Flint als unregelmäßig geformtes und ausgebuchtetes Band Flint-Lage im Kreidefelsen: ungleichmäßig ausgebildeter Flint, mit Übergangsformen Geröllstrand aus überwiegend Flintgeröllen, Rügen
 
Feuerstein-"Tiergestalt"   Angesichts des unregelmäßig lagenweisen oder knolligen Auftretens des Flints im Muttergestein wird verständlich, warum am Strand oft recht organisch anmutende und bisweilen sogar bizarr erscheinende Ausgestaltungen gefunden werden können, die die Phantasie zu mancherlei Spekulationen einladen können.
Oft sind die Flintgestaltungen noch von einer kieseldurchsetzten Kreidehaut umgeben.
"Klumpfuß" aus Feuerstein
 
Flint im Muttergestein: Kreide Das Muttergestein des Flints, die sog. Kreide, ist ein Kalkgestein der Kreidezeit (vor 145 - 66 Mio. Jahren),
das sich aus Kalkschlamm mit Myriaden von Kalk-Mikroorganismen (Coccolithen) und den Schalenresten von Kalkalgen bildete. Die Schreibkreide, die den besonders harten Flint beherbergt, ist selber weich und porös.
   
Fundbeispiele:
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Kalkstein mit Flinteinschlüssen Kalkstein mit Flinteinschlüssen   Häufig können Übergangsgesteine gefunden werden, aus den Grenzbereichen der Flint- Horizonte, aus unvollständiger Diagenese oder in Form von silifiziertem (kieselsäuredurchsetztem) Kalkstein.
Siehe das Bild des unvollständig ausgebildeten Flint-Horizontes


Kalkstein mit Flinteinschlüssen
Feuerstein Feuerstein, Detail   Hier sehen wir sowohl irregulär als auch kugelig ausgebildete Einschlüsse aus schwarzem Flint in einem helleren Gestein, das tatsächlich ein stark silifizierter, bereits flintähnlich umgewandelter Kalkstein ist  -  oder anders gesagt: ein noch nicht gänzlich kalkfreier Flint. Das Ausscheiden von Kristallwasser aus dem schwarzen Flint während der Diagenese lässt einen weißen Opalsaum entstehen  -  in diesem Stein besonders schön ausgebildet.
"Hühnergott" "Hühnergott"   Auf Grund der wässrig-gelartig variablen  Ausgangssituation bzw. nach dem Herauswittern von Kreideeinlagerungen oder  auch eines fossilen Seelilienstängels können runde Löcher im Flint auftreten. Solche Lochsteine galten in alter Zeit als Amulett.
Aus altslawischer Tradition heraus werden sie im Ostseeraum als "Hühnergötter" bezeichnet und von Touristen als Glücksbringer aufgesammelt.
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Sehr häufig weisen die Flinte gestreifte Muster auf. Solche Bänderungen gehen auf rhythmisch erfolgte Ausfällungen von (staubfeinen) dunklen Mineralen während der Diagenese zurück. Gebänderte Feuersteine können graphisch sehr
attraktiv sein. In dem europaweit größten steinzeitlichen Feuersteinbergwerk, im polnischen Krzemionki wurde Jura-Feuerstein abgebaut, der besonders schöne Gestaltungen zeigt.
Siehe: https://www.mineralienatlas.de/lexikon/index.php/LokationRockData?param=1072,308
gebänderter Feuerstein gebänderter Feuerstein gebänderter Feuerstein
Gebänderter Flint von Stränden in Schleswig-Holstein
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Obwohl Flint dem Auge als amorph erscheint (= gestaltlos, d. h. ohne erkennbare Kristallformen), können sich doch in Klüften und Hohlräumen aus der Kieselsäuresubstanz Bergkristalle ausbilden. Am Strand wird dergleichen an den abgerollten Flächen kaum zu finden sein  -  und größere Feuersteine dürfen am Strand nicht aufgeschlagen werden (!), auf Grund der Verletzungsgefahr durch die dann entstehenden messerscharfen Kanten. In Kiesgruben ist das Aufschlagen mit Zustimmung des Grubenbesitzers möglich.
Die sehr kleinen Kristalle bedecken häufig die Kluftflächen in Form eines "Rasens".
Bergkristall auf Flint Bergkristall auf Flint, Detail Bergkristall auf Flint
Seltener kann man ausgebildeten blauen Chalcedon sehen, er erscheint ebenfalls an Kluftflächen und zeigt sich wie ein Rasen aus winzigen kugelähnlich wolkigen Gebilden. Zuweilen haben glatte Flinte partiell eine leicht bläuliche  Oberfläche. Das kann durch den Rest eines Chalcedon-Belags verursacht sein.
Bild rechts: Chalcedon auf Kalkstein, Stevns Klint, DK
Chalcedon auf Flint Chalcedon auf Flint Detail Chalcedon auf Kalkstein, Stevns Klint
 
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An einem dem Wellenschlag ausgesetzten Strand runden sich mit der Zeit selbst die scharfkantigen, harte Flinte.
Zuweilen stoßen wir auf besonders gezeichnete Steine. Sie sind übersät von kleinen gebogenen Furchen, von einem dichten Netz sichelförmiger Druckmarken.
Damit lassen sie eine weitergehende Beanspruchung erkennen: Parabelrisse.
Während der Kaltzeiten wurden durch den Druck und die Bewegung des auflastenden Gletschers diese gebogenen Druckmarken verursacht.
Geröllstrand, Rügen  
Parabelrisse auf Flint Parabelrisse auf Flint Detail Parabelrisse auf Flint
Wallstein Wallstein   Auch schwarze, wohlgerundete Flinte kann man finden, die zwar ebenfalls nahezu lückenlos Druckmarken, aber keine gebogenen Parabel-risse aufweisen.
Es wird angenommen, dass diese sogenannten Wallsteine ihre Form und narbige Oberfläche in der Brandung eines alttertiären Meeres erhielten.
Windpolitur an Flintfossil Windpolitur an Flintfossil   Windpolitur
Eine wiederum andere Art Oberflächen-behandlung als Brandung und Gletscherdruck bewirkte der sandbefrachtete Wind nahe dem Gletscherrand.
Er schliff an den freiliegenden Steinen  Unebenheiten ab, ließ Windkanten entstehen und polierte die Oberflächen, bis sie (je nach Gesteinsart) glänzten. Besonders die harten und glatten Flinte können dann wie lackiert aussehen.
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Hanaskog-Flint Hanaskog-Flint, Detail   Die Vorkommen der Kreidezeit erstrecken sich mit wenigen Unterbrechungen am Grund der südlichen Ostsee zwischen Sjælland und der Danziger Bucht  - und bis an die deutsche Küste reichend.
Aus dem schwedischen Kristianstad-Becken ist eine Sonderform des Flints bekannt, der Hanaskog-Flint (Weißfleckiger Flint). Die kleinen weißen Punkte in der schwarzen Flint-masse bestehen aus Opalresten.
     
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Auch wenn die zuweilen abenteuerlich irregulär geformten Flintgestaltungen (Konkretionen) keine "Versteinerungen" von Lebewesen sind, können im Flint doch Fossilien enthalten sein.
Bryozoen auf Flint Klapperstein Belemniten (Donnerkeile)
Bryozoen (Moostierchen) leben auch heute noch in vielen Arten. Es sind mikroskopisch kleine, Kolonie bildende Vielzeller. In der weißen Kalkhaut auf den Flinten sind ihre fossilen Reste häufig und gut zu erkennen.
Hier erscheinen die Schalenreste nur als weiße, kalkige Striche im Feuerstein.
 "Klappersteine" klappern mit Glück tatsächlich, wenn man sie schüttelt. Eine Flintkugel hat sich hier um einen toten  Kugelschwamm (Plinthosella squomosa) gebildet. Seine ausgewitterten Reste in ihr liegen zuweilen lose  -  und klappern. Nach "Donnerkeilen" (Belemniten) halten Strandwanderer gerne Ausschau. Die charakteristischen länglichen Gebilde sind die Hartteile eines ausgestorbenen Kopffüßers (tintenfischähnlich), sie bestehen aus Calcit.
Dies ist kein Belemnit  -  auch wenn der Finder es zunächst gedacht hatte...  -  schwarzer Flint!
Galerites Echinocorys fossiler Seeigel, Unterseite
Häufig kann dieser Seeigel vom Typ Galerites als Flint-Steinkern gefunden werden.
Ein Steinkern entsteht, wenn kieselsäurehaltige Lösungen die Schalenreste eines Meerestieres ausfüllten.
Nicht weniger häufig ist dieser größere Seeigel: Echinocorys. Er wird mit vielen Unterarten dem Danium zugerechnet, dem letzten Zeitalter des Kreidemeeres.
Auf der Unterseite fossiler Seeigel sind bei entsprechender Erhaltung Mund- (miitig) und Afteröffnung (hier links) zu erkennen. Hier ein verkieselter Camerogalerus cylindrica. Fossile Seeigel aus der Kreide des Daniums sind häufig in Form auskristallisierter Calcit-Kerne erhalten. Bei entsprechendem Lichteinfall erscheinen die reflektierenden Kristallflächen. 
Stereocidaris (Abdruck) Stereocidaris, Detail   Dieser Flint zeigt im Abdruck Plattenteile eines anderen, seltenen (Lanzen-)Seeigels: Stereocidaris. (Der Betrachter schaut hier von innen auf den Abdruck der Außenschale in den umgebenden Flint.)
(Die Detailaufnahme rechts wurde freundlicherweise von E. Figaj zur Verfügung gestellt.)
 
Dieser Stein verdeutlicht die Ausbildung von dichten Flintsäumen um tote Meerestiere im (nachfolgend ebenfalls stark silifizierten) Kalkstein. Wir sehen eine Ansammlung von Schwämmen, im Bild rechts bereits weitgehend ausgewittert.
Kreidekalkstein mit Schwämmen Kreidekalkstein mit Schwämmen, Ausschnitt
Die drei nachfolgenden Bilder zeigen gut die sich ausbildende Kugelgestalt des Flints, in der während der Diagenese die Kieselsäure den abgestorbenen Schwamm umhüllt. Bild links: relativ frisch aufgeschlagene Flintkugel, die beiden anderen wurden so am Strand gefunden, mit entsprechender Verwitterung. Der gelbliche Stein dürfte ein Flint aus dem Jura sein.
fossiler Schwamm in Flintkugel fossiler Schwamm in Feuerstein Schwamm in Flint, Jura
fossile Asuter, Rügen   fossile Auster, Rügen      Auster
   aus der Kreide,
   FO: Rügen,
   Sgl. E. Figaj
 
       
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Seltener werden im Flint nicht nur Einzelfossilien gefunden, sondern quasi ein Stück fossiler Meeresboden  -  hier eine kleine "Austernbank", in Schalenerhaltung.
Zeitstellung ungewiss. Jetzt im Eiszeit-Haus, Flensburg.
fossile Austernbank
Austern in Feuerstein Austern in Flint fossile Austernbank, Ausschnitt fossile Austern, Ausschnitt
     
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Helgoländer Flint Helgoländer Feuerstein   Eine farbliche Besonderheit stellt der rote Helgoländer Flint dar. Ähnlich dem Quarzmineral Jaspis ist er durch Hämatitstaub
kräftig rot eingefärbt, als typischer Helgoländer Feuerstein umgeben von schwarzem Flint und verkieseltem Kreidekalk.
In dieser Ausprägung ist er als Strandgeröll nur von der Helgoländer Düne bekannt und wird hier als Schmuckstein veredelt und vermarktet.
     
  9  Strandsteine
rhythmische Ausfällung in Flint Rhythmische Wachstumsringe im Flint gebänderter Feuerstein am Strand
Rhythmische Ausfällung Rhythmische Wachstumsringe irreguläre Konkretion
     
     
Literatur:
Rudolph Frank: Strandsteine, div. Ausgaben
Vinx Roland: Gesteinsbestimmung im Gelände, Spektrum
Voigt Ehrhard: Über die Zeit der Bildung der Feuersteine in der Oberen Kreide. PDF-Datei hier

Links (Auswahl):
https://de.wikipedia.org/wiki/Feuerstein
http://www.budstone.de/feuerstein/feuerstein.htm
http://www.museum-albersdorf.de/flintfossil/index.htm


  
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