Logo

Landschaft - Im Ostseeraum  -  Die Flensburger Förde

Flensburger Förde | Kluesries | Krusauer Tunneltal | Kollunder Wald | Meierwik | Ochseninseln | Holnis |
Geltinger Bucht
 

Die Geltinger Birk

 
Seit die Geltinger Birk durch umfangreiche renaturierende Maßnahmen ihr Gesicht sehr verwandelt hat, ist sie zu einem  vielbesuchten Naturort geworden. Im Zuge dessen stehen auch etliche schöne Beschreibungen zur Verfügung (siehe Links unten). Umfassende Informationen und großartige Luftaufnahmen bietet insbesondere der Managementplan für das FFH-Gebiet Geltinger Birk (Land Schleswig-Holstein, 2018 neu erstellt). So genügen an dieser Stelle einige Streiflichter und Hinweise.
       
Zur Entwicklung der Geltinger Birk    
Die Halbinsel der Geltinger Birk in ihrer heutigen Gestalt ist ein junges "Aufbauwerk" der Ostsee  -  auf der Grundlage der eiszeitlichen Ablagerungen.
K. Gripp beschreibt drei vergleichsweise schwach ausgeprägte und mittlerweile auch nur in Teilen erhaltene Randmoränenzüge des Spätglazials, die schräg über die Halbinsel verlaufen.
Der nördlichste, vom Düttebüller Steilufer über Nieby bis Beverö  ziehend, bildete einst einen maßgeblichen Uferrand. Der postglazial ansteigende Meeresspiegel ließ Beverö zur Insel werden ("Biberinsel") und ließ durch Abrasion und küstenparallelen Transport auf der Ostseite einen ersten Strandwall wachsen, siehe Abbildung 1 (unten). Bei Nieby und auf Beverö sind stellenweise fossile ("stillgelegte") Kliffs erhalten.
Die nächsten Skizzen zeigen, wie von Osten her weitere Strandwälle sich aufbauten, die die Beveröer Bucht nach und nach umrundeten und schlossen und so zu einem Noor machten. Das Material zu diesen Strandwällen kam zu einem großen Teil von submarin liegenden glazialen Ablagerungen und Mudden im Bereich der Schorre vor Falshöft, die vom Wellenschlag erreicht und aufgearbeitet werden konnten. Auch hier wirkte die küstenparallele Strömung, sie nahm diese Fracht mit und setzte sie in Form von Nehrungen, bei erheblichem Wellengang auch höher aufgeschichteten Strandwällen ab. In steter Wiederholung dieses Vorgangs baute sich ein eindrucksvoller Strandwallfächer aus diesen Wällen auf.
   
Durch verstärkten Sedimenteintrag wurde das Beveröer Noor im Lauf der Zeit seichter. 1824-1828 wurden erste Deichbaumaßnahmen durchgeführt, die nach dem Sturmhochwasser von 1872 intensiviert wurden. Die 4. Skizze zeigt die dadurch gewonnene Landfläche, die partiell landwirtschaftlich genutzt wurde, partiell moorig blieb. Große Teile des Geländes liegen bis 4 m unter Meeresniveau und mussten daher fortan ständig entwässert werden.

So war nun eine Halbinsel mit vielfältigen landschaftlichen Elementen entstanden:
im Norden eine ausgedehnte Strandwalllandschaft, in der südlich anschließenden Niederung (Kuhlenkoppel) mehr oder weniger sumpfige Wiesen mit kleineren Wasserflächen, auf den fruchtbaren Mergelböden der Moränenhügeln erfolgreiche Landwirtschaft oder kleine Waldstücke. Und außen der Küstensaum mit verlandenden Schilfsümpfen, Salzwiesen, Dünen, Sand- oder Geröllstränden sowie dem seichten Geltinger Noor.
 
      Skizzen in Köster R. (1958): Die Küsten der Flensburger Förde
 
Strandwalllandschaft nahe Birk Nack (2014).
 
1934 wurde die Geltinger Birk auf Grund dieses vielfältigen Angebotes an Naturlebensräumen  -  Strandwälle, Dünen, Sumpf, Heide, Moor und lichte Wälder in enger Verzahnung  -  zu einem Naturschutzgebiet erklärt, das in der Folgezeit mehrmals durch Zuerwerb erweitert wurde. Seit 2002 wird im ehemaligen Falshöfter Lotsenhaus eine Integrierte Station des Landes Schleswig-Holstein geführt (siehe Flyer). Das bot eine gute Basis, die Umwandlung der Landschaft  kontinuierlich fortzusetzen. Robustrinder und seit 2003 auch Koniks halten die Landschaft offen und vermitteln Eindrücke von "neuer Wildnis".
 
das abgedeichte und entwässerte Noor bei der Mühle Charlotte Robustrinder auf Strandwällen Koniks auf Beverö das entwässerte Beveröer Noor
 
2015 erfolgte konsequent und von langer Hand vorbereitet der nächste Schritt: Die kontrollierte Wiedervernässung der tiefliegenden Gebiete. Der Wasserspiegel wurde von -3 m auf -1 m angehoben. Das führte zur Flutung weiter Niederungsflächen und schuf so neue, ökologisch wünschenswerte Lebensräume.
 
am Siel vor der Vernässung, hier wird ein Salzwasserpolder entstehen Aus den winterlichen Niederschlägen steigt das Wasser bereits, allein auf Grund der Beendigung der Entwässerungsmaßnahmen Blick von der Beveröer Moräne zur Mühle Charlotte
       
Die Moränenkuppe Beverö überragt recht markant die umgebenden Niederungen,
auf ihrer Höhe ist sie licht bewaldet. Am Waldrand entlang der Küste sind ihre Buchen und Eichen dem Windschurf ausgesetzt. Sie haben zuweilen eigentümliche Wuchsformen entwickelt, einen "Gespensterwald" entstehen lassen.
Der Düttebüll-Nieby-Beveröer Randmoränenzug wurde in der Vergangenheit vom Meer angeschnitten, einst hatte Beverö ein aktives Kliff. Heute ist der Hang bewachsen und geschützt: die Strandwälle wuchsen von Birk Nack her bis auf die Höhe Beverö und bildeten hier Lagunen aus  -  sehr willkommen auch bei vielen Wasservögeln...
 
     
Das Geltinger Noor
Die meisten Tagesbesucher der Birk wählen den Zugang von Goldhöft her (siehe Skizze) und über den Damm, der die Niederung des Geltinger Noors abriegelt   -  und so das innere Basrotter Noor vom äußeren Geltinger Noor trennt. Dort ist die Mühle Charlotte erhalten (heute in Privatbesitz), die einst der Entwässerung diente. Der gesamte Niederungskomplex liegt zwischen der Nieby-Beveröer Moräne und dem nächsten südlicheren Moränenzug (Koppelheck-Nordschauwald-Pommerby).
Das Geltinger Noor ist ein seichtes Brackwasser, gerahmt von der flachen Halbinsel Quisnis im Westen, der Moränenkuppe des Nordschauwaldes im Süden, der niedrigeren Goldhöfter Höhe im Osten, dem Damm (gut an der geraden Linienführung erkennbar) und einem natürlichen Nehrungshaken von Norden her. Eine künstlich gesetzte Findlingsreihe vor dem Eingang des Noors ist knapp über der Wasseroberfläche zu sehen.
 
 
       
  Seitens der Naturschutzverwaltung wurden vier ansprechende Wanderrouten eingerichtet, die dem Besucher verschiedene Bereiche der Birk erschließen und so die Vielfalt der Habitate erfahrbar machen können.
Die Wanderrouten.
   
     
       
       
Literaturhinweise:
Gripp K. 1954: Die Entstehung der Landschaft Ostschleswigs vom Dänischen Wohld bis Alsen. Meyniana 2, 1954
Gripp K. 1964: Erdgeschichte von Schleswig-Holstein. Wachholtz-Verlag Neumünster 1964
abrufbare
PDFs:
Köster R. 1958: Die Küsten der Flensburger Förde  -  Ein Beispiel für Morphologie und Entwicklung einer Bucht. Schr.
Nat. Ver. SH XXlX, Heft 1
Reisch F. & Schmoll D. 1997: Morphologische und sedimentologische Untersuchungen von Strand und Seegrund im Bereich der Geltinger Birk (Flensburger Außenförde)
   
als Link zu empfehlen:
http://geltinger-birk.de/die-geschichte-der-birk-kultur-und-wandel-einer-landschaft
https://www.ferienlandostsee.de/sehen-erleben/ausflugsziele/geltinger-birk.html
https://schleswig-holstein.nabu.de/natur-und-landschaft/naturzentren-naturstationen-infos/geltinger-birk/index.html
https://www.stiftungsland.de/karte/stiftungslandgebiete/geltinger-birk/
https://www.baumkunde.de/baumregister/3570-gespensterwald_geltinger_birk/
http://wildpferde-geltinger-birk.de/

die Wanderwege

   
  zur Übersicht Flensburger Förde
zur Geltinger Bucht