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Landschaft - Im Ostseeraum  -  Die Flensburger Förde

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Geltinger Birk
 
Die Geltinger Bucht 
 
Die Weite der Geltinger Bucht erfreut Strandbesucher und Segler gleichermaßen  - und ihre Badestrände sind einladend und viel besucht.
 
       
Geltinger Bucht (im Süden) und Sønderborg Bugt (im Norden) schaffen gemeinsam eine ausgedehnte Wasserfläche und leiten so den Übergang von der Flensburger Förde in die offene Ostsee ein. Gleichzeitig gilt die Geltinger Bucht jedoch noch als geschützter Ankerplatz für Schiffe und wurde in der Vergangenheit entsprechend genutzt
(siehe: https://de.wikipedia.org/wiki/Geltinger_Bucht).
Denn tatsächlich vollzieht das Bodenprofil diese Öffnung zur offenen See nicht. Zwischen Geltinger Birk und Kegnæs trennt eine unterseeische Schwelle die Außenförde von der anschließenden Kieler Bucht ab. Der steinige Kalkgrund (als Unterwasser-Fortsetzung der Birk) misst an der flachsten Stelle nur etwas über 2 m Tiefe. Eine weitere Untiefe befindet sich weiter nordöstlich, südlich von Alsen, der Breitgrund mit 4,3 m im Minimum. Demgegenüber erreichen beide Buchten eine beachtliche Tiefe, die Geltinger Bucht recht einheitlich 20-25 m, sie fällt im Norden dann in die breite, im gesamten Verlauf etwas mäandrierende Rinne ab, die den ehemaligen subglazialen Schmelzwasserkanal der Förde darstellt. Dieser erreicht hier Tiefen von 35 - 37 Metern.
 
Was ließ diese weite, insgesamt recht ebenmäßige Schüsselform der Geltinger Bucht entstehen?
Das ist aus der letzten, der weichselzeitlichen Vereisungsgeschichte allein nicht schlüssig zu erklären.
Ein Gletscherzungenbecken, das zu einer solchen See-ähnlichen Form führen könnte, müsste von deutlichen Moränenwällen umrahmt sein. Zwar existiert von Habernis über Norgaardholz, Steinberghaff, Ohrfeld und Koppelheck ein Randmoränenzug (siehe gestrichelte Linie in der topographischen Skizze, weiter unten), aber nach K. Gripp ist dies kein die Bucht einfassender Moränenzug, sondern er setzt sich von Koppelheck weiter in südöstlich-südlicher Richtung über Schwackendorf und Rabel fort. 
Auch passen Lage und Ausrichtung der Bucht nicht zu den nachgewiesenen Eisbewegungsrichtungen der letzten Kaltzeit. In der Tat stellt die gesamte äußerste Breite der Außenförde ein Eiszungenbecken dar, mit Kalkgrund und Breitgrund als typischen Querriegeln sowie einer tiefen Schmelzwasserrinne.
Der tatsächliche Grund zur Entstehung der randlichen Hohlform der Geltinger Bucht liegt in der Vergangenheit weiter zurück.
 
Die nebenstehende Skizze gibt einen weiterführenden Hinweis. Sie verzeichnet alte Rinnensysteme, die in der heutigen Landschaft nicht mehr unmittelbar wahrzunehmen sind, weil sie durch spätere Ablagerungsvorgänge verschüttet wurden (sog. "buried valleys").
    Während der ausgedehnten Elster-Kaltzeit (vor 400.000 -320.000 Jahren)
   "entwässerten tiefe Rinnen die Gletscher entlang der Grundmoräne,
    aber auch subglazial, wodurch teilweise mehr als 400 m tiefe Tunneltäler
    entstanden sind. Die sogenannten „elsterzeitlichen Rinnen“ sind heute
    meist mit Feinmaterial oder Moränenmaterial verfüllt... Solche
    subglazialen Rinnen wurden in allen pleistozänen Vereisungsphasen
    gebildet, die elsterzeitlich entstandenen sind jedoch
wesentlich
    ausgedehnter (bis zu 150 km lang) und tiefer
."
   
(Zitat in Auszügen, Grim 2012, S. 20).
Eine solche Tiefenstruktur in Form eines breiten elsterzeitlichen Schmelzwassertals verläuft im Untergrund von der Schlei (etwa Rabenkirchen) nach Norden, unter dem Geltinger Becken hindurch und findet eine Fortsetzung unter Sønderborg Bugt, Als Sund und Als Fjord (die Skizze endet leider an der Landesgrenze).
 
Altformen wie diese tiefen Rinnen finden in nachfolgenden Landschaftsgestaltungen oftmals so etwas wie ein "Echo", indem sie richtungweisend wirken oder Senkungsgebiete begünstigen können. Im Fall der Geltinger Bucht kann man des weiteren davon ausgehen, dass eine solche bereits vorhandene Senkungs-Altform im Spät- und Postglazial der Weichsel-Vereisung dazu führte, dass hier ein ausgedehntes Toteis über lange Zeit erhalten blieb, während unmittelbar nördlich von ihm in der Rinne des Fördetals gewaltige Mengen an Schmelzwasser strömten und die Kuppen um es herum bereits eisfrei waren und erosiv Material verloren. So konnte die spätere Geltinger Bucht ihre Schalenform ausbilden  -und vor allem bewahren.
   
Ein Blick auf die Topographie lässt uns weiteres erkennen:
Der Gebietsstreifen rund um die Geltinger Bucht einschließlich der Birk (gelbliche und grüne Farbtöne) ist durchsetzt von Erosionstälern und tiefliegenden durchnässten Niederungen. In der Landschaftsgestaltung spielt sichtlich das Wasser eine sehr dominierende Rolle. Dazu passt, dass die Highlights in den beiden Naturschutzgebieten der Region ebenfalls das Wasser betreffen: Die artesische Quelle Wolsroi und der Quelltopf im Habernisser Moor und die großzügige  Wiedervernässung ehemaliger Agrargebiete auf der Geltinger Birk.
Der küstenparallele Moränenzug erreicht vereinzelt Höhen bis über 20 Meter, insbesondere bei Steinbergholz  -  aber die vom Wasser angeschnittenen bewachsenen Steilufer bleiben mäßig hoch. Es treten keine hochwandig abbrechenden Kliffs wie an der exponierten Habernisser Huk auf. Gleichwohl kommen Unterspülungen und kleinere Abbrüche vor, beispielsweise bei Norgaardholz.
Der Strandwanderer erlebt vor allem die ruhige Weite der Landschaft. Flache Sandstrände überwiegen, meist mit Strandwällen oder einem niedrigen Deich vom Hinterland getrennt.
 
 
Einige Strandabschnitte in der Geltinger Bucht:
 
  1   Na de Huk
Zum Namensverständnis: "Huk" ist aus dem Friesischen abgeleitet (Hoek) und bedeutet Haken.
Südlich des vorragenden Landsporns und Kliffs von Habernis gibt es einen sehr kleinen Parkplatz, gern von Angelfreunden genutzt.
Wer den Weg um das Kliff herum erkunden möchte, muss eine Kletterpartie über die Steine wagen, die zum Küstenschutz aufgehäuft wurden. Dem Blick in die andere Richtung öffnet sich der weite Bogen der Geltinger Bucht, bei klarer Sicht bis hin zur Birk-Nack. Am Strand entlang erreicht man rasch den feinen Sandstrand. Der ihn begleitende flache Strandwall ist sandüberweht und mit robustem Strandhafer und Wildrosen bewachsen. Im Schutz des Strandwalls sehen wir tiefliegendes Grünland, auf dem zuweilen ein paar Rinder weiden.
 
 
Es ist nicht weit bis zur nächsten Zugangsmöglichkeit zum Strand. Von der Straße "Nordstern" führt ein Wanderweg durch einen kleinen Wald und zwischen Koppeln hindurch zum Wasser  -  ein Zugang, den Badegäste gerne nutzen.
Wir sehen, dass die entwässernden Wassergräben des Hinterlandes durch einen Siel geschützt werden. Das Wasser kann übermächtig werden, sowohl von der See her als auch wetterbedingt von der Landseite her. Angesichts des tiefen Terrains wundert es nicht, an vielen Stellen hinter dem natürlichen Strandwall noch einen künstlichen Damm zu finden.
 
   2  Norgaardholz
Norgaardholz verfügt über einen bewachten Badestrand. Geht man von dort am Strand entlang nach Süden, wird der Uferstreifen zunehmend steinig und man gelangt an ein bewachsenes, mäßig hohes Steilufer. Die aus dem Hang herausgelösten Steine sammeln sich als Geröllstrand am Fuß des Hochufers.
Auch andere typische Merkmale von Steilufern kann man hier in kleinem Maßstab wahrnehmen: freigespültes Wurzelwerk, Brandungskehlen, abgerutschte Bäume oder Sträucher...
 
     
  3  Grillplatz Klevelücke
Zu Norgaardholz gehört ein am Strand gelegener Grillplatz, willkommen bei den Anglern. Er bietet einen angenehmen Zugang zum Strand, mit Parkplatz, WC und einer Grillhütte. Hier hat sich das Norgaardholzer Steilufer zu einem niedrigen Sockel abgesenkt, Sandstrand lädt zum Baden ein. Allerdings  -  nicht nur Fische sind im Wasser unterwegs...
 
 
  4   Steinberghaff
Der Strand von Steinberghaff liegt niedrig und wurde deshalb ab dem Strandhotel entlang des Campingplatzes bis zum Beginn des Fischerholzes (Bild rechts im Hintergrund) mit Schutzmaßnahmen versehen  -  Buhnen sowie einem kompakten Böschungsschutz aus großen Steinen.
Windbedingtes Niedrigwasser zeigt, wie kinderfreundlich flach der Strandbereich ist. Vorgelagerte Sandbänke tragen dazu bei, die Gewalt der Wellen zu mildern. Um das Flachwasser für die Wassersportler zu überbrücken, existiert eine Seebrücke.
Unter den großen Steinen des Uferschutzes befinden sich oftmals recht dekorative Gefügeformen. Meist handelt es sich dabei um Migmatite  -  Umwandlungsgesteine aus einer Teilaufschmelzung, die eine kräftige Durchbewegung im noch plastischen Zustand erkennen lassen.
 
 
  5   Fischerholz 
In dem als Privatwald zum Gut Oestergaard gehörenden Fischerholz gibt es gute Parkmöglichkeit   -  und obendrein eine schöne Gelegenheit, Wald und Ostsee in unmittelbarer Nachbarschaft zu erleben, sprich (potentiell) Vogelgesang und Wellenrauschen im Zusammenklang.
Nah am Strand wurde ein Picknickplatz der besonderen Art eingerichtet  -  in der kühlen Jahreszeit vielleicht weniger einladend... Ein interessantes Großgeschiebe, vermutlich in den Ländereien des Gutes zutage getreten.
Es ist ein sehr feinkörniger, stark durchbewegter Metamorphit mit einigen migmatitischen Merkmalen. Dazu eine Oberfläche, die in Form von leichten Ausblasungen einen gewissen Windschliff zeigt (sandpoliert).
Der Uferschutz hält hier weitere interessante Gesteine bereit, ein paar Beispiele: 
am Nordrand des Fischerholzes am Fischerholz sein Wahrzeichen das Fischerholz, von Koppelheck Blick Richtung Koppelheck 
Zwischen dem Fischerholz und der bis auf 15 m ansteigenden Moränenhöhe Koppelheck liegt die weite Niederung der Lippingau. Diese Niederung hat mit dazu beigetragen, dass die Uferlinie erneut etwas ins Land zurückwich und so eine eigene kleine, schön geschwungene Bucht entstehen ließ.
 
  6  Ohrfeldhaff
Die Lippingau führt Wasser aus dem Gebiet zwischen Esgrus und Sterup ab. Von ihrem dort noch munteren Gefälle und naturnahen Lauf ist auf den letzten Kilometern nichts mehr zu spüren. Um nicht das tiefliegende Gelände in einen Sumpf zu verwandeln, muss sie im Dienste der Landwirtschaft als Graben geführt werden. Ihre Einmündung in die Ostsee ist ebenfalls befestigt.
Auch in der Lippingauer Bucht ist der Strand flach und sandig. Aber damit er nicht zu langweilig wird und neugierige Kinderaugen etwas zum Suchen und Finden haben, gibt es das eine oder andere Steinchen. Es gibt allerdings auch die (winterlichen) Jahreszeiten, in denen ein dicker Teppich aus Seegras alles überdeckt, Sand, Muscheln und Steine...
(siehe Mündungsbilder).
Beim Weiterwandern am Strand unterhalb von Koppelheck wird der Ausblick auf die große Bucht-"Wende" bei Gelting allmählich deutlicher  -  mit der seit Jahren für den Fährverkehr nach Dänemark stillgelegten Gelting Mole (weiße Gebäude im rechten Bildteil) und dem Ferienort Wackerballig (linkerhand).

Ohrfeldhaff hat übrigens einen guten Strandparkplatz.
  Ein "Rückblick" von Wackerballig auf Koppelheck  -
und die Einladung, nun auch der Geltinger Birk einen Besuch abzustatten.
 
       
     
     
Literatur:
Gripp K. 1954: Die Entstehung der Landschaft Ostschleswigs vom Dänischen Wohld bis Alsen. Meyniana 2, 1954
Grim, Stefanie 2012: Abflusslose Senken – Instrumente in der Landschaftsanalyse und Indikatoren rezenter
Krustenbewegungen. Dissertation, Universität Mainz 2012
Link: https://www.schleswig-holstein.de/DE/Fachinhalte/K/kuestengewaesser/Downloads/15_heinrich.pdf?__blob=publicationFile&v=2
 
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