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Landschaft - Im Ostseeraum  -  Die Flensburger Förde

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Habernis  -  Kliff, Bucht und Moor
 
Habernis Kliff die Bucht von Habernis Wanderweg im Moor die Habernisser Au
       
Die maximal 11 m Höhe erreichenden Erhebungen des Habernisser Sporns mit seinem exponierten Kliff stellen das nördlichste Segment des küstenparallelen Moränenzuges der Geltinger Bucht dar, nach Gripp1 einer rudimentären Seitenmoräne des Förde-Gletschers (siehe auch diese Kartenskizze). Auch der etwa 2 km vom Ufer entfernt in der Förde liegende Neukirchengrund gehört wohl noch in diesen einstigen Höhenzug. Er ragt als vom Wasser überspülter Hügel, als den Seglern bekannte Untiefe bis 2,3 m unter der Wasseroberfläche auf.
Zwischen diesem nur in Segmenten erhaltenen und vergleichsweise flachen Moränenzug und dem deutlich höher gelegenen Angelner Moränengebiet erstreckt sich das ebenfalls auffallend küstenparallele 4 km lange Tal der Steinberger/Habernisser Au. Es ist eine Niedermoor-Senke, deren mündungsnahe Bereiche minimal unter dem Meeres-spiegel liegen. Vor der 1905 erfolgten Eindeichung war diese tiefliegende Niederung periodisch dem Salzwasser ausgesetzt.
Unmittelbar vor der Schleuse vereinigt sich der in einem spät- und postglazial entstandenen Erosionstal von Nordballig her kommende Mühlenbach (in der Karte links oben) mit der Habernisser Au - er ist hier als Graben geführt.
 
        Topographie im Gebiet der Habernisser Au
 
Die Bucht von Habernis
Die Bucht von Habernis ist Teil des Niederungsgebietes der Habernisser Au. Ohne die Abdeichung würde die Bucht sich amphibisch in Form von kleinen Seen, Schilfzonen und Salzwiesen weiter ins Land erstrecken. Eine solche Salzwiesenbucht böte ein völlig anderes Erscheinungsbild, wäre Lebensraum für die an diesen Lebensraum angepassten Pflanzen, Insekten und Vögel. Durch die Eindeichung entstand die ebenmäßig geschwungene Uferlinie mit ihrem einladenden Sandstrand.
Der Sedimenteintrag sowohl von der Wasserseite aus (Feinsand aus dem Abtrag der Steilufer) als auch vom Land (durch die Auen mitgeführtes Sediment) trägt zur Ausbildung und Erhaltung der breiten, kinderfreundlichen Flachwasserzone in der Bucht bei.
   Blick über die Bucht nach Norden... ... über die Förde nach Dänemark...   ... und zum Kliff im Süden 
 
Bei Niedrigwasser (Windwatt) werden viele Sandbänke sichtbar. Da können Erkundungsspaziergänge zu Entdeckungen am Meeresboden führen  -  Wattwürmer beispielsweise und ihre spaghetti-artigen Häufchen gibt es nicht nur an der Nordsee...
 
Die Habernisser Au und ihre Vorfluter wurden im Interesse der Landwirtschaft, der Zugänglichkeit des Moorgebietes und des Küstenschutzes streckenweise reguliert. Das mittlere Bild unten zeigt ihre Einmündung in die Bucht, gesehen von der Schleuse aus  - das Bild links (von der Straße auf dem Damm aus) bietet den Blick in die weite Niederung, durch die der Mühlenbach fließt  - und das Bild rechts zeigt die Au unmittelbar vor dem Siel. Die Straße auf dem Damm und ein Strandparkplatz bieten leichte Zugangsmöglichkeiten zu der Bucht   -  auch zu ihrem vielen Besuchern sehr  willkommenen Angebot an Wanderwegen in und um das Habernisser Moor.
 
 
Wetterlagen mit anhaltendem Oststurm (vor allem im Winter auftretend) lassen die Niederung nasser werden. Dem Wasser im Habernisser Tal ist dann der Abfluss in die Förde verwehrt und die Niederung kann eine Ahnung vermitteln, wie es hier ohne die Eindeichung würde aussehen können... (Bild unten, von Nieby aus)     
 
 
 
Das Habernisser Moor
Als es vor einigen Jahren Bestrebungen gab, das Habernisser Moor in ein Natur-schutzgebiet umzuwandeln, hat sich aus ansässigen Landbesitzern ein "Naturschutz-verein" gegründet, der seitdem die Betreuung des Gebietes durchführt. Es wurden Wanderwege eingerichtet, Wegweiser und Sitzbänke aufgestellt.

PDF-Datei der Karte: "Wanderwege im Habernisser Moor".
Tiefgründige Nassbereiche des Niederungsgebietes blieben sich selbst überlassen, dort können sich Bruchwald-Bestände erhalten. In anderen Arealen wird mittels Abzugsgräben eine Wasserregulierung durchgeführt. Die aus alter Zeit vorhandenen Wiesen werden dadurch nutzbar gehalten, sie werden gemäht und beweidet. Das etwas unruhige Relief des Talgrundes mit Senkungen, flachen Kuppen und Bodenwellen lässt einen verschachtelten Mix an unterschied-lichen Habitaten entstehen  - Wald, Wiese, Schilfzonen und Hochstaudenfluren  - eine für das Auge attraktive Vielfalt.  
 
Zwei geologische Besonderheiten gibt es im Gebiet des Habernisser Moores: einen gut bekannten Quelltopf, die artesische Quelle "Wolsroi" und eine wenig bekannte und nicht zugängliche Quellmoor-Kuppe.
     
Die "Quelle Wolsroi" befindet sich am Rand einer Sumpfzone auf einer Weide. An ihr ist ein kleiner Rastplatz auf dem Rundweg durch das Moor hergerichtet. Der Ort kann auf kurzem Weg von der Straße "Mittweg" her erreicht werden  -  oder auf etwas längerer Wanderung vom Strandparkplatz her.
Das Vorhandensein dieser Quelle verweist auf einen  ausgedehnten, tief unter den Grundwasserspiegel reichenden Wasserkörper (Aquifer) im Habernisser Tal, der schüsselartig von wasserundurchlässigen Schichten (Tonen) umgeben und überlagert ist und dadurch Druck aufbaut. An Schwächezonen, meist an Aufwölbungen, entlädt ein derart "gespannter" Grundwasserkörper sich in einer oder mehreren stark fließenden Quellen (Druckquellen). Während in Wüstenregionen einsame Oasen durch dieses Geschenk die Chance haben, auch ohne Regenwasser fruchtbar zu ergrünen, ergießen sich hier an dieser Quelle durchschnittlich 600 Liter Quellwasser pro Minute in eine ohnehin wasserdurchtränkte Region, um dann in und mit der Habernisser Au in der Ostsee zu verschwinden.
Der Quelltopf zeigt sich Besuchern als ein flaches, nicht großes Wasserloch (über einem tieferen Quelltrichter), in dem je nach Jahreszeit die aufsprudelnden Wasseraustritte im sandigen Grund sichtbar sind. Hier ein kleines (handgemach-tes) Video. Bei sommerlich sonnigen, heißen Wetterlagen ist durch die Trübung des Wassers und üppig wachsende Algen häufig nichts zu sehen (linkes Bild).  
 
 
Es sind allerdings nur kleine Mengen des üppig ausströmenden Quellwassers, die in diesem Wasserloch anschaubar im Aufquellen zu sehen sind. Der weitaus größere Teil der Quellschüttung fließt in einem Überlauf direkt in die Au. Ein Hinweisschild kenn-zeichnet die Stelle.  
 
Es gibt weitere Quellaustritte im Habernisser Tal, die ebenfalls aus diesem umfangreichen, gespannten Wasserkörper gespeist werden.
In einer großen Quellmoor-Kuppe im Habernisser Moor findet eine noch stärkere Quellschüttung statt, verteilt auf mehrere Austritte in einem ca. 160 x 100 m messenden Areal. Im Unterschied zu einer artesischen Quelle spielen bei der Ausbildung von Quellmoor-Kuppen kalkhaltige Böden eine maßgebliche Rolle (solche Böden liefert der Geschiebe-mergel des Angelner Jungmoränenlandes). Die im Quellbereich sich ausbildende Kuppe besteht aus kalkigen Ablagerungen  - Kalksinterbildungen und kalkreichen Torfen und Mudden, die sich immer höher aufbauen.
Dieser Ort ist allerdings nicht zugänglich. Er steht weitgehend unter Wasser. "Auf der Kuppe finden sich ausgedehnte Bereiche mit stark schüttenden Quellen... Die einem Schwingrasen ähnliche Oberfläche ist komplett aufgeweicht und ganzjährig kaum begehbar." Sie friert auch bei strengem Frost nicht zu. (A. Grube1, siehe Literaturhinweis unten.)
Dr. A. Grube (Geologisches Landesamt) hat die Habernisser Quellmoor-Kuppe eingehend untersucht und darüber lesenswert (!) berichtet (siehe PDF-Datei). Auf S. 163 gibt eine sehr anschauliche Querschnitt-Skizze die Situation der Habernisser Quell-Kuppe wieder. 
     
 
Am Strand der Habernisser Bucht kann der aufmerksame Strandgänger mitunter ein Stück eines solchen Quellkalkes finden. Die Sinterstruktur mit ihren organischen Anteilen, v. a. Pflanzenresten, ist deutlich zu erkennen.
 
     
 
Eindrücke von Wanderungen durch das Moor:
 
Vom Strandparkplatz aus führt der Weg zunächst, ein Stück weit die Au begleitend, durch die Niederung. Im Sommer blüht hier die Kuckuckslichtnelke in wachsenden Beständen, auch das Wiesenschaumkraut, das Mädesüß, der Blutweiderich, der Baldrian und vieles mehr...  und vom Wald her kann man zuweilen den Rotmilan kreisen sehen.
Im Winter halten sich auf den Wiesen gerne Scharen von Graugänsen auf.
Das große Thema dieses Gebietes, das Wasser, zeigt im Frost seine schönen, kristallinen Seiten.
       
Wo der weitere Weg durch sumpfige Bereiche führt, überbrücken Holzbohlenwege die Nassstellen. Das können Bruchwaldzonen sein, an deren Gräben und Tümpeln im Frühling die Sumpfdotterblumen golden leuchten, im Sommer die gelben Sumpfschwertlilien stehen. Oder es sind schilfdurchwucherte Nasswiesen, fahl und karg im Winter und voller Leben im Sommer. Dann kann die üppige Hochstaudenflur kleinwüchsigen Wanderern auch schon mal über den Kopf wachsen...  
 
Aber dann gibt es am Wegrand auch viel zu entdecken  -  ein reiches Insektenleben und eine sich in den Jahreszeiten fortwährend wandelnde Pflanzenwelt. Die Bohlenwege ermöglichen das Durchqueren von Naturräumen, die uns sonst unzugänglich wären.
Ästiger Igelkolben Sumpfschwertlilie Bachnelkenwurz
         
  Botanisches Highlight des Moores ist das (geschützte) Breitblättrige Knabenkraut, eine auf Feuchtwiesen gedeihende Orchidee. Sie ist in unserer Landschaft mangels Lebensraum selten geworden. Meist blüht sie purpurrot, aber ausnahmsweise kann man auch auf weiße Blüten treffen.
Zu den häufig anzutreffenden Blütenpflanzen im Habernisser Tal gehören u. a. Sumpfdotterblumen, Sternmieren, Lichtnelken und das Milzkraut:
   
  Die Wegweiser nennen Lokalnamen, hinter denen eine Historie steckt, die heute meist nicht mehr bekannt ist. Warum hat das von Moorland umgebene Gehöft den Namen "Predigtstuhl"? Hat dort einst das moralische Gewissen des Kirchspiels gewohnt?
"Grüfft3" hingegen soll mundartlich "Niederung" bedeuten, sich von "Graben" ableiten. De facto bezieht es sich auf ein paar Häuser, die, von Senken umgeben, auf einer Kuppe stehen. Und "Habernis"? Damit könnte tatsächlich darauf verwiesen sein, dass das fruchtbare Moränenland des Habernisser Sporns, "de Huk", für den Haferanbau tauglich war. Hafer gedeiht bekanntlich am besten auf Lehmböden.
Ein anderer Wegweiser nennt "Gintoftholm". Auch darin stecken alte Wortteile: Gin (Ginni)  -  toft (Hof)  -  holm (kleine Insel).
Ja, das Gebiet hat zweifellos nicht nur eine erdgeschichtliche oder eine Fauna und Flora betreffend landschaftskundliche, sondern auch eine menschliche Geschichte. Daran erinnern die Lokalnamen.
   
Zweimal quert der Rundweg durch das Moor die Habernisser Au, die Wasserader des Tales. Diese beiden Brücken sind die einzigen Orte, die einen Blick auf den doch ansehnlich wasserreichen, ruhig dahin fließenden Bach gewähren.
   
Durch das Ineinandergreifen verschiedener Naturräume mit bewirtschafteten Flächen entsteht ein abwechslungs-reicher Mix mit immer neuen Aussichten. Dabei wird ein interessantes Phänomen erlebbar: Natürlich wuchernde Wildnis einerseits und gestaltetes, gepflegtes Land andererseits, in einem Bild vereinigt, steigern sich durch diesen Kontrast zu neuer, wohltuenderr Bildwirkung  -  wie es auch Komplementärfarben tun. 
   
Der Weg von der Quelle zur Straße Mittweg/Aubrück führt aus dem Autal hinauf in das kuppige Moränenland  - in eine Landschaft mit einem sehr bewegten Relief. Das Gebiet ist mit einem schönem Buchenmischwald bestanden. In der Gegend von Aubrück wird Feldwirtschaft betrieben.
 
Auch die waldigen Partien laden zum Hinschauen ein  -  Bestände mit gelben Buschwindröschen, eine seltene Variante des schuppigen Porlings, das Hexenkraut  - oder auch nur das frei wachsende Holz...
   
Fazit: Das Habernisser Moor ist mehr als einen einmaligen Besuch wert. 
   
   
   
Eine Umrundung des Habernisser Kliffs bedarf einiger Übung in puncto Klettern sowohl über niedergestürzte Bäume als auch über Wälle aus großen Steinen, die um des Küstenschutzes willen deponiert wurden. Aber die Mühe, so sie denn unternommen wird, vermittelt eine Fülle von Eindrücken, nicht nur der rauen Seite der Ostsee angesichts von Erosion und Landverlust am aufragenden Steilufer. Auch die bunte Vielfalt der Strandsteine lädt zum Hingucken ein  -  sie sind Boten des weiten skandinavischen Berggrundes und haben eine abenteuerliche Reise während der Eiszeiten hinter sich.
   
   
Literatur zum Habernisser Moor:
1 Gripp, K. 1954: Die Entstehung der Landschaft Angeln in: Jahrbuch des Angler Heimatvereins, 1954
2 Grube, A. & Usinger, H. (2016): Zur Bildung von Quellmoor-Kuppen mit Quellkalk-Bildungen bei Habernis und Curau (nördliches und mittleres Schleswig-Holstein). – E&G Quaternary Science Journal, 65 (2): 156–173.
3 Köhler U. 2011: Habernis, von der Huk in die Grüfft. Flensburger Tageblatt 12.8.2011. https://www.shz.de/lokales/flensburger-tageblatt/habernis-von-der-huk-in-die-gruefft-id1575996.html
Riedel W. 1986: Das Kirchspiel Steinberg  -  Der Naturraum, seine Entstehung und sein Wandel in: Chronik des Kirchspiels Steinberg, Bd. 1
 
   
   
  zu: Das Kliff bei Habernis
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