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Gebrauchssteine  -  Steine im rituellen Gebrauch

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Steine sind in vermutlich allen Kulturen der Menschheit auf die eine oder andere Weise für rituelle Bräuche verwendet worden  -  sei es als besonderer Schauplatz für rituelle Handlungen (Steinkreise, Opfersteine...), sei es als Bild-Repräsentant für eine Gottheit (Stelen, Kultsteine...) oder als im Ritus verwendeter Gegenstand (Kraftsteine im Schamanismus...).

Auch in unserer nüchternen und überwiegend säkularen Gegenwart lassen sich verschiedene Riten und Gebräuche auf alte Steinkulte zurückführen  -  beispielsweise ist der Altar, Ort des kirchlichen Sakramentes, der christliche Nachfahr vorchristlicher Opfersteine. Nicht ohne Grund wurden christliche Kirchen bevorzugt an den Stellen alter vorchristlicher Kultstätten errichtet.
Die Verwendung von Amuletten und Heilsteinen in Anhängerform rechnet mit einer den Mineralen zugehörenden spirituellen Kompetenz und rührt damit in sehr abgeschwächter Form an rituelle Gebräuche unserer Vorfahren.


Nachfolgend können nur einige wenige Beispiele knappe Hinweise geben auf eine sehr komplexe Thematik  -  die Begegnung der Transzendenz im Menschen und in der ihn umgebenden mineralischen Natur.

 



Opfersteine
beim Waldmuseum Burg, Dithmarschen


Ausgrabungen belegen, dass sich auf dem markanten Berg in der Dithmarscher Geest eine vorchristliche Kultstätte befunden hatte. Zwei alte Opfersteine sind im Außengelände des Waldmuseums zu sehen.



   
   
Als Kultstein unbekannter Bedeutung wird der Ruethstein bei Flensburg eingestuft:
Er liegt südlich des Martinsstiftes im Endmoränenzug der Hornholzer Höhen auf der südöstlichen Stadtgrenze von Flensburg, ist aber keiner der 1601 oder 1771 (im Zuge der Verkoppelung) aufgestellten Grenzsteine. Einst war sein Umfeld ein weiter, teilweise sumpfiger Talraum; heute erhebt sich hinter ihm ein hoher aufgeschütteter, begrünter Berg aus jüngerem Abraum.
Das sorgfältig und akkurat in ihn eingegrabene Kreuz weist auf eine spirituelle Aussage hin. Er ist ein liegender, annähernd eiförmig geformter, großer Findlingsblock aus grobkörnigem Småland-Granit mit den Maßen 210 cm x 135 cm x 145 cm. Allerdings muss er einmal aufgerichtet gestanden haben  -  darauf deuten sowohl der Versuch der Spaltung als auch die Lage des eingravierten Kreuzes hin.

  Infotafel
Freiliegend, im Jahr 2005 In üppige Vegetation eingebettet, 2025 Das eingemeißelte Kreuz auf der Oberseite  
       
"In der Grenzbeschreibung von 1558 wird er mit folgenden Worten erwähnt:
"Vom Westenwatt beth tho Ruetstein, de in de olderen Stovinge licht, Sueden denne Damme, darop ein Crütze gehoven is." 1601 heißt es: " Von Westen Wath indt Suedwesten, beth an den dik tho Ruethstein, so in der Stovinge licht, darop ein Creutze gehoven." 1770 wird er noch einmal in einer Akte erwähnt mit der Bemerkung, er sei "geklövert" (gespalten) worden....
Das erste Rätsel, das uns der Stein stellt, ist das griechische Kreuz und das andere die Spaltung in zwei Hälften, wobei das Kreuz unbeschädigt blieb.... Ein Hardenrechtsstein ist er nicht, da weder Harden- noch Grenzsteine des Stadtfeldes mit Kreuz nachweisbar sind.... Da diese Art der Tiefkerbung (des Kreuzes) vor der Wikingerzeit nicht bekannt war, muss das Kreuz wohl mit der Christianisierung in Verbindung zu bringen sein (im Sinne dessen, heidnische Steine durch das Kreuz zu christianisieren)..."  Zitate aus Jes Christensen: "Historische Steine des Flensburger Stadtfeldes",1965.

Es ist sicher davon auszugehen, dass dieser Stein in vorchristlicher Zeit ein heiliger Ort gewesen war und rituelle Bedeutung hatte, die dann im Zuge der Christianisierung durch das Kreuz beendet (ersetzt) werden sollte.
 
An der aufgeschlagenen Stelle ist der Mineralbestand am ehesten zu erkennen.

Auf der Rückseite sind die Marken der Spaltung zu erkennen.
   
   
Taufsteine  
Rituelle Reinigungen oder heilige Handlungen, die mit dem Element des Wassers verbunden sind, gab und gibt es in vielen kulturellen / religiösen Zusammenhängen.

Das Christentum kannte zunächst nur die Erwachsenentaufe und praktizierte gemäß seiner jüdischen Vorgeschichte das Eintauchen des ganzen Körpers. Später wurde
dieses Eintauchen durch das Übergießen mit Wasser abgelöst, dafür gab es in den Boden eingelassene Becken.
Etwa ab der Karolingerzeit setzte sich das Taufen von kleinen Kindern und sukzessive von Neugeborenen durch. Im Zuge dessen wurden Taufbecken geschaffen, sie standen oft im Eingangsbereich der Kirche. Aus gesundheitlichen Rücksichten beschränkte sich das Übergießen bald auf den Kopf.
Die ersten frühmittelalterlichen Taufsteine sind auf dem Boden stehende, schlichte Monolithen. Später entwickelte sich figürlicher Schmuck, meist sinngebende oder ornamentale Reliefs.
                              Taufbecken der heiliggeist-Kirche, Flensburg  -  mittelalterlicher Granit-Monolith 
 
   
   

 

Informative Links:
http://de.wikipedia.org/wiki/Steinkult
 
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