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Landschaft - Strände und Kliffs

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Das Kliff von Schönhagen
    - im Winter -

  Grundmoränenlandschaft   Der Osten von Schwansen besteht aus einer sanft gewellten Grundmoränenlandschaft, der Boden ist lehmig und fruchtbar. Seit alters her dominiert Gutsbesitz mit weitläufig angelegten Feldern.  
         
  Abbruchkante   Die Küste dieses Landschaftsteils verläuft nahezu geradlinig
in Nord-Süd-Richtung zwischen Schleimündung und Eckernförder Bucht. Sie entstand durch die Einwirkung der ansteigenden Wassermassen der Ostsee als Abbruchkante, mehr oder weniger hoch.
Nur bei Damp findet sich ein deutlicher Flachküstenabschnitt mit Strandwällen.

Das 1,6 km lange und maximal bis 18 m hohe Steilufer zwischen Schönhagen und Damp ist ein besonders markanter
Abschnitt der langgestreckten Abbruchkante an der Ostsee.
 
         
Zugleich ist es ein maßgeblicher Faktor des Küstenausgleichs zwischen Schlei und Eckernförder Bucht:
Die vom Meer verursachte Erosion (= Abrasion) lässt Kliffmaterial nieder brechen, das von küstenparallelen Strömungen in die nördlich und südlich gelegenen Buchten transportiert wird und im ruhigeren Wasser durch die Bildung von Nehrungen und Strandwällen zu einem allmählichen Verschluss der Buchten führt.
         
         
  Das Satellitenbild zeigt sehr deutlich die Nehrungsbildungen in der ursprünglich trichterförmigen Schleimündung und im Süden den Schwansener See bei Damp, der einst eine Meeresbucht war, jedoch durch Strandwälle abgeriegelt wurde und nun ein Strandsee ist. Der Schifffahrtsweg in der Schleimündung wird seit 1796 künstlich freigehalten - dadurch wird die Entwicklung von der Nehrung zur Landbrücke mit Strandwällen gestoppt.
Der auch sonst in der südlichen Ostsee typische Wechsel von aufragenden Steilufern und Flachküstenabschnitten ist hier mit diesen beispielhaften Ausformungen sehr anschaulich ausgebildet. Südlich der Damper Flachküste schließt ein weiteres Abbruchkliff an, Boknis Eck.
 
Größere Kartenansicht
 
         

Der Schwansener See soll übrigens Namen gebend für den ganzen Landschaftsteil gewirkt haben (nicht umgekehrt). Das Wort wird von Svane-Sø (dän. = Schwanensee) abgeleitet - aus mittelalterlicher Zeit, als die Region von Jüten besiedelt wurde. Vielleicht war der Haffsee damals von Schwänen bevölkert - sie stellten eine begehrte Jagdbeute dar. Heute ist der Strandsee ein besuchenswertes Naturschutzgebiet.

Das Kliff gehört zu den aktivsten Steilufern der westlichen Ostsee. Im exponierten Mittelteil ist es der Abrasion besonders stark ausgesetzt - der jährliche Abtrag liegt inzwischen bei fast 100 cm (Kliffoberkante im Durchschnitt).
Zu den unmittelbaren Wirkungen des Wellenschlags von der Wasserseite her kommt hinzu die Durchfeuchtung durch Niederschläge und Sickerwasser von der Landseite aus. Der im trockenen Zustand sehr feste Mergel wird aufgeweicht und beginnt zu gleiten oder als schlammiger Brei abwärts zu fließen.

  Kliffabbruch   Geröllstrand  
 
Diese beiden Bilder zeigen zwei unterschiedliche winterliche Zeitpunkte und Situationen am Kliff-Fuß:
Im linken Bild ist das nieder gebrochene Lockermaterial zu sehen. Der Geröllstrand ist mit Feinsediment durchsetzt - hier hatte es zuvor längere Zeit keinen Oststurm (d. h. hohe Wasserstände mit Brandung) gegeben, die „aufgeräumt“ hätten.
Im rechten Bild, in einem anderen Winter, ist der Fuß des Kliffs „reingewaschen“, der Geschiebemergel in der Brandungszone wie „abgeleckt“. Das Gehen auf dem nahezu sandfreien Geröllstreifen ist anstrengend, die Steine rutschen unter den Schuhen weg.
Hier hatte lang anhaltender Ostwind sein Werk getan.
Im Winter wird das nieder gebrochene, feine Moränenmaterial (Mergel und Sande) meist zügig aufgearbeitet und fortgeschwemmt, von der Wasserbewegung je nach vorherrschender Wind- und Wellenrichtung nordwärts oder südwärts verfrachtet.

 

  Brandungskehlen   Schlammfluß  
       Brandungskehlen im Geschiebemergel zeigen
     die Wirkung der Ostseewellen bei höherem
     Wasserstand. Der Kliff-Fuß wird unterspült
     und bricht stückweise ab. Danach geben
     größere Partien nach, bis auch die
     Oberkante abstürzt.

  Auch durch Frostwirkung wird der feste Mergel    
  mürbe und gleitet beim Auftauen als Schlammfluss 
  auf den Strand.
  Uferschwalben-Nisthöhlen Profil Geschiebeblock  
        Die in Kolonien nistenden Uferschwalben müssen
      mit „Sachkenntnis“ oder Glück die Abschnitte für
      ihre Nisthöhlen wählen, sonst drohen Verluste.
      Allerdings ereignen sich die großen Abbrüche
      überwiegend im Winterhalbjahr.
      Diese Kolonie hier ist schon zwei Jahre lang
      erfolgreich sesshaft, die Höhlen werden   
      regelmäßig vertieft.

 
  Eine herausstehende,     
  unterspülte „Nase“ aus
  festem Geschiebelehm.
  Noch steckt der   
  Geschiebeblock fest in
  der Wand...
 

Auf Grund der häufig frischen Abbruchflächen lassen sich am Schönhagener Kliff Ablagerungsschichten und glaziale Bodenbewegungen immer wieder neu beispielhaft studieren und bewundern.
Das Kliff stellt grundsätzlich eine Abbruchkante in der Grundmoränenlandschaft dar. Andererseits treten im Kliffprofil  jedoch noch ganz andere, interessante Strukturen zutage, die darauf hinweisen, dass die vorstoßende Eismasse ältere Moränen-Ablagerungen aufarbeitete, indem sie sie verschob, steil stellte oder auffaltete.

         
  Das Kliff besteht aus zwei in der Farbe erkennbar unterschiedlichen Geschiebemergeln. An der Basis dominiert überwiegend ein  bläulicher, kalkreicher Geschiebemergel.
Im Zentrum des Kliffs steigt er fast zur gesamten Kliffhöhe an.
Die Blaufärbung kommt übrigens durch einen hohen Anteil an verarbeiteten silurischen Kalken zustande.

Dieser blaugraue Mergel wird von einem gelblich-rotbraunen, sandhaltigen Geschiebemergel überlagert, in unterschiedlicher Mächtigkeit.
In den sowohl nach Schönhagen als auch nach Damp zu abflachenden Kliffabschnitten findet sich nur noch dieser bräunliche, kalkärmere Geschiebelehm, in ebenen, ungestörten Schichten - das typische Grundmoränenkliff.

An wenigen Stellen erscheinen an der Basis des kalkigen Mergels winzige Muschelschalenreste im blauen Lehm. Ob es sich um Partien von Eem-Ton aus der Zwischeneiszeit handelt, könnte durch eine Probenuntersuchung bestätigt werden.
  blauer Geschiebemergel  
  In oberflächennahen Schichten wird aus dem Mergel stets Kalk ausgewaschen, und es kommt zur Oxydation des Moränenlehms. Das führt zu einer Ausbleichung bzw. Braunfärbung des Lehms.
Am Schönhagener Steilufer liegen auf der gesamten Klifflänge eine kalkarme, sandige Oxydationsschicht sowie Braunerdeböden auf, erstere bis 2,5 m tief herunterreichend.
  Sandiger Geschiebemergel  
        kalkarmer Geschiebemergel über   
   Schmelzwassersanden im Nordteil des Kliffs
 
  Am spannendsten ist jedoch die Mitte des Kliffs!

Sie wird beherrscht von weiträumigen Stauchungszonen. Diese zeigen sich in Verschiebungen, Faltenstrukturen und anderen Deformationserscheinungen und weisen darauf hin, dass Eisdruck  sowohl aus dem Nordosten (Flensburger Förde- und Schlei-Gletscher) als auch zugleich aus dem Südosten (Eckernförder-Gletscher) zu Aufpressungen führte. (siehe Literaturangabe unten)
     
 
Einige der formenreichen Partien sollen gezeigt werden,
auch wenn ihre Manifestation flüchtig ist - was man vor einiger
Zeit gesehen hat, kann bald verschwunden sein.
Umgekehrt gibt es immer wieder neue überraschende Gestaltungen.

Es sind Schmelzwasserablagerungen, Überschiebungen, Stauchungen, Verfaltungen und Sackungen….
Auf welche Weise ältere glaziale Formen wie z. B. Schmelzwasserrinnen später von einem erneuten Eisvorstoß überfahren und bedeckt wurden, wie die Stauchungen älterer Ablagerungen durch Gletscherauflast oder Schubbewegungen erfolgten, ob es zu Materialverlagerungen bzw. -bewegungen in einem Permafrostbereich kam… diese und andere sind Fragen, die hier nur gestellt, nicht aber im Detail beantwortet werden können.
Die komplexen glazialen Bildungen im Gesamtzusammenhang zu erklären, bedarf ausführlicher, weitergehender Untersuchungen.

  Aufschleppung  
  Mergellinsen   Mergelscholle  
Was hier wie kleinere Linsen oder größere Schollen von blauem Geschiebemergel erscheint, lässt sich in
seiner Ausdehnung durch das abgerutschte Material nicht bestimmen, jedoch sind im linken Bild
brauneisenreiche Schichten und Konkretionen  in einem mehr sandigen Moränenmaterial über und unter dem Geschiebemergel erkennbar.
Rechts sehen wir blaugrauen Geschiebemergel in einer breiten Lage braunen Geschiebelehms zwischen
sandig-kiesigen Schmelzwasser-Schichten, die noch weitgehend horizontal gelagert sind.

 
  Profil I   Profil Detail  
Dieses nahezu steinfreie, interessante Profil (es war leider unerreichbar hoch) geht auf
limnische Ablagerungen
unter ruhigen Sedimentationsbedingungen zurück, vielleicht interglazial in einem lokalen Becken. Interessant die sehr klare Absackung, die auf Auflast und Bruch in gefrorenem Zustand hinweist…

 
  limnische Sedimente   Brauneisenschicht  
Ablagerungen aus Feinsedimenten, beide augenscheinlich unter ruhigen Absatzbedingungen entstanden,
links Schluff, möglicherweise mit (schwärzlichem) organischem Materialeintrag,
rechts Feinsande mit Brauneisen-(oxyd)schichten.

 
  Schmelzwasserablagerungen 1   Schmelzwasserablagerungen 2  
    Schmelzwassersande oder subglaziale Ablagerungen mit Feinkiespartien in Kreuzlagerung.

 
  "Turbulenzen" 1   "Turbulenzen" 2  
     Turbulenzen…  
  "Turbulenzen" 3   "Turbulenzen" 4  
   Auch ausgewitterte Strukturen lassen die ursprüngliche Dynamik ahnen.   
   

Ein nächster Besuch am Kliff drei Monate später zeigte erhebliche zwischenzeitliche Veränderungen.
Viel Kliffmaterial war niedergestürzt und hatte das meiste der oben gezeigten Strukturen verdeckt oder abgeräumt.
Ein "aktives Kliff..."
 
  Das Kliff im April 2009  
       
Auch der Geschiebesammler und Freund kristalliner Gesteine wird in dem steinreichen Geröllstrand auf gute Bekannte treffen...
Järeda-Granit Dalarne-Ignimbrit Flivik-Granit
  Järeda-Granit aus dem mittleren Småland    Ignimbritischer Dalarne-Porphyr    Flivik-Granit aus Nordostsmåland 
Angermanland-Granitporphyr Graversfors-Granit unbekannter Granit
  Blauquarzgranit   Graversfors-Granit aus Östergötland    porphyrischer Granit unbekannter Herkunft 
 
 
  Am "Tag des Geotops" 2020 gab es eine geführte Wanderung am Schönhagener Kliff durch den Geologen Kay Krienke (LLUR). An einigen von ihm zuvor vorbereiteten Aufschlüssen wies er auf exemplarische, aussagekräftige Strukturen im Kliff hin. Mit Hintergrundinformationen und Bildmaterial (Folien) ergänzte er das zu Sehende.
Eine Empfehlung: Der Tag des Geotops ist eine jährlich an wechselnden Orten stattfindende Unternehmung!
 
 
Stopp 1:
Von der Treppe an, die von der Schönhagener Strandpromenade auf den Strand führt, ist auf eine längere Strecke in einem noch niedrigen Steilufer Till (Geschiebemergel) der Grundmoräne aufgeschlossen. Till bildet sich unter dem Gletscher als zermahlenes, graufarbenes Gesteinssubstrat. Wo er der Verwitterung ausgesetzt ist, wird er fahlbraun. Hier sind ausschnitthaft Schmelzwasserablagerungen zu sehen  -  ein Streifen kiesig-sandiger Sedimente. Ihre Schichtung verrät, dass sie  -  in einer Abtauphase vor dem Eisrand  -  in fließendem Wasser abgelagert wurden. Das später wieder vorrückende Eis überfuhr diese Ablagerungen und setzte darüber erneut Till ab.
 
Stopp 2:
Das an Höhe gewonnene Steilufer zeigt weitere, andersgeartete Ablagerungen. Am Kliff-Fuß aufgeschlossen sind sehr feine Schluffe, sie wurden unter ruhigen Verhältnissen als "Gletschertrübe" in einem Schmelzwassersee abgesetzt. Eingeschaltet ist ein schwärzliches Band  - das aber nicht, wie möglicherweise vorschnell zu vermuten, mit organischen Stoffen angereichert ist (die gab es in diesem glazialen Milieu nicht), sondern mit Mangan1. Das Eis hatte offensichtlich ein kleines Manganlager aus dem nahen Ostseeraum mitgenommen und hier als zerriebene Spur hinterlassen.
Oberhalb liegen Feinsande (Dr. Krienke lässt ihn zur Demonstration zwischen den Fingern herab rieseln...)
 
Stopp 3 (nahe Stopp 2):
Mit rötlichem Hämatit2 unterschiedlich stark angereicherte Sande zeigen sehr schön die Ablagerungsstrukturen des Sediments. Hier ist neben der variierenden Körnigkeit auch eine Schräg-(Kreuz)schichtung erkennbar (2. Bild). Sie entsteht durch geänderte Strömungsverhältnisse im fließenden Wasser.
Über diesem kleinen "Fenster" im Kliff sehen wir die Hinterlassenschaften einer Schlammschüttung  -  fließfähig aufge-weichten Till als chaotisches Gemenge, mit andeuteten Fließstrukturen.
 
Stopp 4:
Hier konnte darauf hingewiesen werden, dass das Schönhagener Kliff aus unterschiedlich alten Geschiebemergeln (aus verschiedenen Eisvorstößen) aufgebaut ist - und somit Vorgänge spiegelnd, die zu ungleichmäßigen Ablagerungen führten. Hier liegt beispelsweise hellgrauer, älterer kalkreicherer Till überlagert von jüngerem, sandigerem Mergel. Niedergestürztes Material lässt den kompakten älteren Till wie linsenartig in einer schalenförmigen Mulde erscheinen. Auch hier liegen Schlammmassen, im unteren Bereich.
 
Stopp 5:
An dieser Stelle zeigte sich ein durch den Eisschub verursachtes Auf-stauchen des Bodens und das nachfolgend erneute Überfahren durch den Gletscher. Dr. Krienke demonstrierte anschaulich anhand topographischer Karten die lokalen Lageverhältnisse und die Bewegungsrichtung des Eises.
Mit Schmelzwassersanden durchsetzte Gemengelagen werden gezielt von den Uferschwalben zum Nisthöhlenbau ausgewählt. Sogar relativ bodennahe Stellen werden mangels Angebot genutzt.
Dr. Krienke sei für seine informativen Ausführungen gedankt!
 
 
Anmerkungen:
1 = Ergebnis von durchgeführten Bodenproben.
2  Das Eisenmineral Hämatit erscheint in Pulverform blutrot, insbesondere in Verbindung mit Wasser.

Es gibt eine aufschlussreiche Arbeit zu diesem eindrucksvollen Kliff:
Michael Walther und Michael Grossmann: Das Schönhagener "Head"-Kliff an der Ostküste Schwansens (Schleswig-Holstein). Eisstauchungsverfältelungen in einer Nahtzone zweiseitiger Moränengabeln zwischen Schwansener und Aussenschlei-Eisloben sowie das aktuelle Formungsgeschehen. Institut für Geographische Wissenschaften, Berlin 1991 (Geographica - Oekologica; H. 4); ISBN 3-928443-01-1.
Ich danke Prof. U. Treter für diesen Hinweis und weitere Hilfestellungen.
 
Die jeweils mehr bräunlich oder bläulich getönten, auch im Format abweichenden Fotos stammen von zwei unterschiedlichen Aufnahmezeitpunkten, 2006 und 2008.
 
 
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